Zum Inhalt springen

„Foodie Love“: Sex geht durch den Magen

Die Serie „Foodie Love“ von Isabel Coixet läuft bei Arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden.
Die Serie „Foodie Love“ von Isabel Coixet läuft bei Arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden. (Foto: ©HBO Europe/HBO Espana)

Die Serie „Foodie Love“ verbindet sinnlich kulinarische Genüsse mit dem ersten Date eines Paares bis hin zum Sex. Bei Arte und in der Mediathek.

Man mag es nicht glauben: Él und Ella lernen sich in Barcelona ausgerechnet durch eine Dating-App kennen. Doch das thematisiert die Serie später in keiner Weise. Beim ersten Mal treffen sie sich in einem Café, das er ausgesucht hat, danach ebenfalls in einer von ihm vorgeschlagenen Cocktail-Bar. Da beide sinnlich veranlagte Gourmets sind, findet kein Treffen ohne kulinarische Erlebnisse statt. Isabel Coixet („The Bookshop) hat erst jüngst mit der Serie „Sonntagnachmittagsblues“ auf Arte gezeigt, dass sie sowohl als Drehbuchautorin als auch als Regisseurin Ängste und Sehnsüchte einer ganzen Generation glaubhaft und ohne Platitüten auf wenige Menschen runterbrechen kann. „Foodie Love“ läuft bei arte und kann in der Arte-Mediathek gestreamt werden.

Él und Ella sind in etwa Mitte 30, als sie sich in einer Kaffeebar daten. Anstatt sofort sehr viel voneinander zu erfahren oder übereinander zu reden, steht hier erst mal der Kaffee im Mittelpunkt, kein Wunder, definieren sich beide doch in erster Linie über ihre kulinarischen Vorlieben. So als ob sie der Dating-App diese Vorlieben mitteilen, um die richtigen Kontakte zu bekommen, sprechen beide in die Kamera und reden über ihre – ja man kann und muss es so sagen – Philosophie, was Essen und Trinken angeht. Café und Cocktailbar wurden schon genannt, es folgen noch ein kleines japanisches Restaurant in einem Marktgebäude, ein arg schickes Restaurant mit sehr kleinen Portionen und das Frühstück in Ellas Wohnung nach dem Sex. Dies wird sich bis zum Ende der achtteiligen Serie durchziehen, auch dann noch, als sie längst zueinander gefunden haben und die Frage im Raum steht, wie es mit dem Leben von beiden weiterehen soll. Regisseurin und Autorin Isabel Coixet belässt es aber nicht beim Dating-Paar, auch die Betreiberinnen und Betreiber der aufgesuchten Cafés, Cocktailbars und Restaurants sind mit Herzblut bei ihrer Arbeit und kriegen Bilmschirmzeit, um wie in einer Doku über ihre Philosophie direkt in die Kamera zu sprechen.

Auch nach dem Sex wird gegessen und getrunken. Die HBO-Serie „Foodie Love“ läuft bei Arte.
Auch nach dem Sex wird gegessen und getrunken. Die HBO-Serie „Foodie Love“ läuft bei Arte. Foto: Foto: ©HBO Europe/HBO Espana

„Foodie Love“ bei Arte: Sensibel, komisch, entwaffnend ehrlich

Dass diese unterschiedlichen filmischen Stilmittel miteinander harmonieren und eine Einheit bilden, liegt wiederam am Gesamtkonzept von Kameraeinstellung Schnitt, Sound und – absolut wichtig – Timing. Getragen wird die gesamte Story von Laia Costa („Victoria“, „Der Lehrer, der uns das Meer versprach“), die Ella spielt. Ella ist die zurückhaltendere von beiden, sie greift manchmal zu Schwindeleien, zum Beispiel wenn sie zu spät zum Date kommt und Él während des Wartens bereits vier Cocktails getrunken hat und später noch kotzen wird. Él wird von Guillermo Pfening („Welcome to Eden“, „Fever Dream“) gespielt. Er ist der Offensivere von beiden und gibt auch viel schneller seine Gefühle preis, weshalb er leichter verletzt werden kann. Pfening wie Costa setzen die von Coixet geschriebenen Dialoge hervorragend um. Sie sind geprägt vom zögerlichen Verlangen nach Annäherung, eingepackt in eloquent formulierter Vorsicht und der Möglichkeit im Hinterkopf, thematisch schnell die Flucht in die Kulinarik zu ergreifen. Alternativ können beide auch über Literatur und Film sprechen, gemeinsam hassen die Lektorin und der Mathematiker den Schriftsteller Karl Ove Knausgård und seine Autofiktion und machen sich stellvertretend über die Fussel in seinem Bauchnabel lustig. Fazit: „Foodie Love“ ist eine Serie über lange Zeit sublimierten Sex, was zu hervorragend-kurzweiligen rhetorischen Manövern und Gesprächen voller Substanz mit der nötigen Portion Humor führt.

Beitrag teilen:
kulturnews.de
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.