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Frank Schulz: Onno Viets und das Schiff der baumelnden Seelen

„Horfmkrängknhäouß. Hafenkrankenhaus. Schönen Gruß aus dem Hafenkrankenhaus.“ Als Onno Viets glaubt, diese Worte gehört zu haben, im futuristisch gestylten Time Tunnel auf dem Weg vom Pooldeck zur Anytimebar des Kreuzfahrtschiffs Flipper IV, gesprochen von einem ca. 18-jährigen Unbekannten, da geht sein Arsch auf Grundeis. Im Hamburger Hafenkrankenhaus liegt nämlich seit sieben Jahren Tibor Teprotov, der Unterweltleibwächter von der Reeperbahn, den Onno damals ausspioniert und verraten hat. Onno hat das brutale Finale auf dem Alsterdampfer Saselbek – nachzulesen im Roman „Onno Viets und der Irre vom Kiez“ – bis heute nicht verkraftet, im Gegenteil: Sein posttraumatisches Belastungssyndrom lässt die Ehe mit Edda den Bach runtergehen.

Und mit Jobs hat der selbsternannte Privatdetektiv und Hartzer seitdem noch größere Probleme als eh schon. Ausgerechnet wieder auf einem Schiff – irgendwo zwischen Frankreich und Mallorca –, wo er auf den durchgeknallten Künstler Donald Jochemsen aufpassen soll, den Vetter seines Freundes Stoffel, holt ihn die Vergangenheit ein. Frank Schulz hat wieder all seine sprachliche Virtuosität in den Roman gesteckt, der aber deutlich weniger ein Krimi ist als der erste „Onno Viets“. Schulzens Methode, Onnos Kumpel Stoffel die Geschichte erzählen und dabei Zeitsprünge ohne Ende vornehmen zu lassen, greift. Was nicht greift, ist, dass unser Fokus über 200 Seiten lang auf Vetter Donald gerichtet wird, einer Figur, der zumindest der Rezensent nicht so viel abgewinnen kann. Dadurch wird der Roman zum Teil belanglos wie der Kreuzfahrtalltag, den Onno und Donald absolvieren. Für Onno-Fans: Durchhalten bis Seite 200, dann wird’s rasant! (jw)

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