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„Frau Jordan stellt gleich“: Geschlechterkampf in der Provinz

Die zweite Staffel der Serie „Frau Jordan stellt gleich“ (auf ProSieben) hat schon nach wenigen Minuten Betriebstemperatur erreicht: „Wissen Sie, was ich an Ihnen mag? Dass Sie so couragiert sind. Nee, warten Sie. „Couragiert“ ist das falsche Wort. Doof! Ich meinte doof.“ Eine Gleichstellungsbeauftragte, die eine solche Bürgermeisterin zur Chefin hat, weiß, wo der Feind steht. Zwar lässt Ingrid Sommerfeld (Adina Vetter) ein latent versöhnliches „Sie wissen nie, wann Sie’s gut sein lassen sollten“ folgen, aber Eva Jordan (Katrin Bauerfeind) lässt sich nicht stoppen und bei ihrer Forderung: dass eine Frau an der Spitze des neu zu gründenden iTeams stehen muss, das die Stadtbehörden digital nach vorne bringen soll.

„Frau Jordan stellt gleich“: Humor von Ralf Husmann

Dass das Drehbuch unter der Leitung von Ralf Husmann entstand, merkt man an jeder Stelle der Dialoge. Alle, wirklich alle Charaktere werden über das definiert, was und wie sie reden. Manche Akteure waren in anderen Husmann-Serien komplett überfordert, wenn sie einen Charakter spielten, der sich um Kopf und Kragen reden sollte. In „Frau Jordan stellt gleich“ geht Husmann etwas zurückhaltender vor, hat sogar sehr berührende Szenen eingebaut wie zum Beispiel am Ende der ersten Folge, wo Eva Jordan einem One-Night-Stand aus der Behörde klarmacht, dass er aus der einen Nacht keine Rechte auf einen Job in der Behörde ableiten kann. Eva Jordans Antwort ist in Wirklichkeit eine Liebeserklärung an Philip Stenzel (Alexander Khuon) im Nebenbüro, den sie mit dem nun nicht mehr geheimen One-Night-Stand verletzt hatte.

Katrin Bauerfeind belegt in der Rolle der Eva Jordan einmal mehr, dass sie ohne jegliche Schauspielausbildung in der Lage ist, eine Rolle plausibel, differenziert und gleichzeitig im Husmann’schen Sinn rotzfrech zu spielen. Ralf Husmann aber zeigt gemeinsam mit seinem Drehbuchteam, dem mit Anneke Janssen, Elena Senft und Sarah Palma gleich drei Frauen anghören etwas, das man nicht unbedingt für möglich hält: dass Themen wie Gleichberechtigung bei Stellenbesetzungen im Öffentlichen Dienst mit schwarzem Humor garniert besser daherkommen als auf einem Positionspapier einer Partei. Und wenn die Gegenseite plötzlich eine Ossiquote in der Behörde verlangt, weiß Frau Jordan sich politisch absolut nicht korrekt, dafür aber elegant zu helfen. jw

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