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„Gaslit“ auf Starzplay: Martha Mitchell gegen Richard Nixon

Die Serie Gaslit auf Starzplay holt die frühen 1970er in die Gegenwart zurück und richtet die Scheinwerfer hinter die Kulissen des Watergate-Skandals, der Präsident Nixon später zum Rücktritt zwingen soll. Im Mittelpunkt neben der Truppe für schmutzige Dinge um Gordon Liddy (Shea Whigham) steht ganz klar Justizminister John Mitchell (Sean Penn mit viel Gummi im Gesicht), vor allem aber seine Frau, die von Julia Roberts gespielte Martha Mitchell. Martha ist wegen ihrer Neigung zum Plaudern in der gesamten Regierung nicht gerade beliebt und darf auch nicht in der Air Force One mitfliegen. Das ist ihr aber egal, den Mund würde sie sich nicht mal für Privilegien verbieten lassen. Elf Monate vor den Präsidentschaftswahlen – der Republikaner Richard Nixon will wieder antreten und die gegnerischen Demokraten mit allen Mitteln bekämpfen – wird um den schon genannten Gordon Liddy ein Team aufgebaut, das das Wahlkampfbüro der Demokraten im Watergate-Gebäudekomplex abhören soll.

Gaslit ist ein Thriller, aber auch unglaublich komisch. Das Ehepaar Mitchell wird als streitbares Team gezeigt, das sich immer wieder zusammenrauft. Als John Mitchell seiner Frau eine runterhaut, weil sie einem Frauenmagazin mal wieder ein Interview mit nicht genehmen Äußerungen gegeben hat, schlägt sie sofort zurück und verhöhnt ihren Mann: „Meine Mutter hat mich härter geschlagen.“ Von den Protesten gegen den Vietnam-Krieg sensibilisiert, erfährt Martha Mitchell aus den offen im Haus herumliegenden Akten, dass unsaubere Abhöraktionen geplant sind. Als sie anfängt zu plaudern, gerät die Gattin des Justizministers selbst in Gefahr …

Die Serie Gaslit kommt gerade im richtigen Moment. Reaktionäre Anhänger von Verschwörungsmythen glauben schon seit geraumer Zeit, dass der Watergate-Skandal eine geplante Sache der Demokraten gewesen sei, um Richard Nixon aus dem Weißen Haus zu treiben. Da schadet ein bisschen Hintergrundwissen – zumal wenn es mit einer gehörigen Portion Spannung plus Humor garniert ist und damit natürlich Unterhaltung – garantiert nicht. Vor allem aber ist Gaslit eine längst fällige Rehabilitierung von Martha Mitchell, die damals im Zuge des Skandals öffentlich absichtlich durch den Dreck gezogen wurde (Gaslighting/Gaslit steht für die brutale psychologische Zerrüttung einer Person), sodass seitdem sogar der Begriff „Martha-Mitchell-Effekt“ dafür steht, wenn die rational begründete Aussage einer Einzelperson gegen die Meinung der Mehrheit steht und deshalb für falsch erklärt wird. Dennoch hatten Martha Mitchells Aussagen den Watergate-Skandal überhaupt erst ins Rollen gebracht, was heute viel zu wenige Menschen wissen.

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