Granfaloon Bus: Interview

Auch im sonnigen Kalifornien bläst man manchmal Trübsal. Mit ihrem traurigen Country-Folk im Schrittempo vermitteln Granfaloon Bus den Eindruck, als bewegten sie sich permanent am Abgrund der menschlichen Seele. Aus dieser Gratwanderung entstehen verschlafene Songs, deren Intensität man sich auch auf „Good Funeral Weather“ (Trocadero/ TIS) nur schwer entziehen kann. Wir sprachen mit Felix Todd Costanza, dem Frontmann der Low-fi-Truppe, der wider Erwarten doch kein Kind von Traurigkeit ist.

KulturNews: Felix, bist du eigentlich glücklich?

Felix Todd Costanza: Manchmal. Ich gebe mir zumindest Mühe. Meine emotionale Verfassung ist aber relativ stabil. (lacht) Auch wenn die Songs manchmal so wirken, als müßte ich mich in stationäre Behandlung begeben. Die Düsterkeit der Songs reflektiert ja nur einen Teil meiner Person. Ich bin keineswegs verzweifelt.

K!N: Das Wort „Granfaloon“ stammt aus einem Buch Kurt Vonneguts. Bist du ein verhinderter Schriftsteller?

Costanza: Ein bißchen trifft das zu, ja. Aber in erster Linie lese ich sehr gern, und mir gefiel einfach der Klang des Wortes `Granfaloon´. Es steht für eine vermeintliche Verbundenheit von Leuten ähnlicher Herkunft. Z. B. Menschen, die glauben, nur weil sie aus derselben Stadt stammen, müßten sie auch vieles gemeinsam haben und gut miteinander auskommen, obwohl dem nicht so ist. Eine Busladung solcher Menschen schwebte mir bei dem Bandnamen vor.

K!N: Könnt Ihr eigentlich von der Musik leben?

Costanza: Nein, wir sind froh, wenn wir duch die Musik keine roten Zahlen schreiben. Unser Drummer ist der einzige Profimusiker, unser Gitarrist ist Informatiker und der Mann am Bass Buchhalter, womit wir wieder beim Thema rote Zahlen wären. Ich selbst bin Tischler.

K!N: Ihr seid offensichtlich keine Meister auf Euren Instrumenten. Welche Bedeutung hat der Begriff Perfektion in Eurer Musik?

Costanza: Der Song ist das Wichtigste. Und natürlich versuchen wir uns auch spieltechnisch zu verbessern. Aber manche unserer Fehler übernehmen wir sogar, wenn sie dem Charakter des Songs entsprechen. Wenn wir dann innerhalb der Band einig sind, daß nichts mehr fehlt, ist ein Song in unseren Augen fertig. Vielleicht nicht perfekt, aber fertig. Und danach sind wir froh, wenn die Leute sagen: „Ihr werdet besser und nicht schlechter.“ (lacht) Mehr wollen wir ja gar nicht.

Interview: Wolfgang Drewes

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