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Gregorian-Macher Frank Peterson im Interview

Ideengeber und Produzent Frank Peterson über die größten Herausforderungen mit Gregorian und die wichtigsten Momente in seinem Leben.

Gregorian Live-Show
Foto: Nemo Studio

Frank, die Idee für den Sound von Gregorian kam dir bei einem Besuch des spanischen Klosters von San Lorenzo in El Escorial, als du bei einem Spaziergang auf dem Walkman aktuelle Musik gehört hast. Der bisher wichtigste Moment deines Lebens?

Frank Peterson: Natürlich war es rückblickend ein herausragender Moment, wenn man aufgrund eines Geistesblitzes rund 40 Millionen Tonträger verkauft. „Enigma 1“ ist inzwischen das weltweit meistverkaufte deutsche Album aller Zeiten. Auch Gregorian sind einer der erfolgreichsten deutschen Acts im Ausland, und wir touren seit 20 Jahren fast ununterbrochen durch fast 40 Länder. Und das alles kommt von einer verrückten Idee während einer Sightseeing-Tour. Aber es gab auch andere mindestens gleichwertige Momente in meinem Leben: die Geburt meiner Tochter, mein erstes Schlagzeug zum sechsten Geburtstag, der erste Live-Auftritt im Hamburger Michel und zum ersten Mal unser Publikum zu sehen …

Schon bei Enigma gab es Anfang der 90er empörte Reaktionen der katholischen Kirche, weil du gregorianische Musik mit modernen Sounds zusammengebracht hast. Hat sich das bei Gregorian wiederholt?

Peterson: Eigentlich hielt sich die „Empörung“ damals in Grenzen. Soweit ich mich erinnere, echauffierte sich ein Bayerischer Priester wegen der Verwendung von Gregorianischen Chorälen in Verbindung mit dem Marquis De Sade. Mit Gregorian hatten wir zwei sehr gegensätzliche Zusammenstöße mit dem Klerus: Wegen eines Songs aus dem Film „The Omen“ auf unserem Dark-Side-Album „AVE SATANI“ durften wir nicht in skandinavischen Kirchen auftreten und mussten kurzfristig umdisponieren. Im Jahr darauf wurden wir von Papst Franziskus eingeladen, auf einem Friedensfestival in Israel als Headliner aufzutreten.

Nach 18 Alben und sieben DVDs: Welches war die schwierigste Neuinterpretation, bei der du am meisten Zweifel hattest, ob sie funktioniert? „Engel“ von Rammstein?

Peterson: „Engel“ lief wie geschmiert. Probleme hatten wir aber mit „Fairytale of New York“. Eine Melodie aus dem auszumachen, was Shane MacGowan launig vor sich hin nölt, war schwierig. Auch der Umbau von 6/8-Irish-Pub-Hymne auf 4/4-Straight-Rock war nicht ganz einfach. Bei „Human Behaviour“ von Björk mussten wir sogar komplett aufgeben.

Verschafft es dir Genugtuung, den weltweiten großen Erfolg mit Gregorian ohne die Unterstützung von Radio, Fernsehen und die üblichen Kanäle der Musikindustrie geschafft zu haben?

Peterson: Nein, ich frage mich da eher: Wie viel erfolgreicher könnten wir heute sein, wenn wir so oft im Radio und Fernsehen laufen würden wie DJ Ötzi, Santiano oder Maite Kelly?

Das neue Album + Best of zum 20-jährigen Jubiläum 20/2020 erscheint am 22. November.

 

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Ab Mitte Dezember gehen Gregorian auf ausgedehnte Welttour mit vielen Shows in Deutschland.

Tourdaten:
22. 12. Timmendorf Strand
31. 12. Wuppertal
2. 1. Bremen
3. 1. Rostock
4. 1. Chemnitz
5. 1. Dresden
7. 1. Erfurt
8. 1. Berlin
9. 1. Leipzig
10. 1. Magdeburg
11. 1. Fulda
14. 1. Düsseldorf
15. 1. Frankfurt
16. 1. Nürnberg
23. 1. Hannover
24. 1. Mannheim
25. 1. Kempten
26. 1. Innsbruck
28. 1. Heilbronn
29. 1. Ravensburg
2. 2. Düren
4. 2. Oberhausen
5. 2. Köln
6. 2. Dortmund
1. 5. Hamburg

Tickets gibt es bei Eventim.

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