Hamburger Hill

Lil’D, SMG und Sleepwalker haben ihre Sneakers auf dem Tisch, es stehen angebrochene Colaflaschen herum, ein Handy dudelt unentwegt. Die drei gehören zum Rap-Quintett Hamburger Hill, bringen gerade ihr Debüt-Album raus – und wollen natürlich nichts davon hören, dass der deutsche HipHop mausetot ist.

_ulysses: Ihr seid ja alle ungefähr Mitte 20 – und damit eigentlich zu alt für Baggy-Pants.

Lil’D: Was heißt „zu alt“? Man sollte sich doch für nichts zu alt fühlen. Wir leben das schon lange und laufen auch schon länger so rum, weißt du?

SMG: Es gibt in Amerika auch 50-jährige, die noch in Baggys rumlau-fen. Da sagt auch keiner was.

_ulysses: 1987 drehte John Irvin „Hamburger Hill“. Ein Vietnam-Film als Namensgeber?

Lil’D: Milestyles ist auf den Namen gekommen. Vielleicht hat er einfach von dem Film gehört und gedacht, das ist derbe für uns – auf Hamburg bezogen.

SMG: Ist einfach ’n einschlägiger Name: abgekürzt auch HH. Ist ja Hamburger Kennzeichen. Sind viele Fliegen, die wir mit einer Klappe bestreiten. Und Hamburger Berg: die Straße, wo man auch mal gerne gefeiert hat. Nur nicht in den falschen Läden …

Lil’D: … wo die Schwarzen Barverbot haben …

_ulysses: Eure erste Single „Vorsprechkommando“ klingt nach Fünf Sterne Deluxe. Kocht der Hamburger HipHop im eigenen Saft?

SMG: Ich kenne nicht so viel von denen, ehrlich gesagt. Es mag mit-unter an diesen Hamburger Schnacks liegen. Aber unsere Stimmen und unser Style müssten eigentlich anders sein.

_ulysses: HipHop ist vom Aussterben bedroht, besonders der deut-sche. Wie fühlt man sich als Fossil?

Lil’D: Ansichtssache, ob HipHop vom Aussterben bedroht ist oder nicht. Geh mal in die Schulen und guck dir die ganzen Kleinen an. Dann kannst du mir noch mal sagen, dass HipHop am Aussterben ist. Die laufen doch alle so rum, weißt du? Nur weil das in der Industrie im Moment nicht so klappt, sagt man, das ist am Aussterben. Aber das fängt gerade erst an. Vom sozialen Aspekt mal ganz abgesehen. Viele Leute suchen und brauchen Orientierung, die der HipHop ihnen geben kann, weißt du?

_ulysses: Seid ihr eigentlich neidisch, wenn jüngere Künstler den Sprung in die Charts sofort schaffen?

Sleepwalker: Zu irgendeinem Punkt vielleicht. Aber da muss man sich dann auch hinterfragen – kann ja sein, dass der andere viel we-niger Talent hat als ich, aber das Zehnfache an Arbeit reingesteckt hat, weißt du, und deshalb da ist, wo er ist, weißt du?

_ulysses: Könnt ihr euch vorstellen, mit der Musik aufzuhören, wenn der große Erfolg ausbleibt?

Lil’D: Von der Musik werde ich wahrscheinlich nie die Nase voll ha-ben. Eher von dem Business, weißt du?

Interview: Constanze Witzel

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