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Hamid Baroudi

Hamid Baroudi

Straßenmusik in Frankreich, Studium in Kassel, sechs Jahre Sänger der Dissidenten, Stammgast in den World Music-Charts und auf Peter Gabriels Womad-Festivals – klangvolle Stationen im Leben von Hamid Baroudi. Der gebürtige Algerier tourt jetzt mit seinem Ethnobeat durch Deutschland.

KULTUR!NEWS: Hamid, auf deinem letzten Album singst du in fünf Sprachen. Hast du keine Angst, die Zuhörer zu überfordern?

Hamid Baroudi: Als Weltmusiker habe ich die Freiheit, jede Musik machen zu können. Es steht ja nicht in der Bibel geschrieben, daß man englisch singen muß.

K!N: Zu deinen Vorbilder gehören aber auch Amerikaner und Engländer.

Baroudi: Ja, ich bewundere Stevie Wonder, der spielt aus der Seele. Aufgewachsen bin ich mit den Beatles, für mich die revolutionärste Band in der Popgeschichte, und Bob Dylan.

K!N: Deine Band Dissidenten hat einst Weltmusik populär gemacht. Was hast du in dieser Zeit gelernt?

Baroudi: Das ist ein Kapitel in meiner Karriere, auf das ich stolz bin. Wir haben viel erlebt. Wir waren eine freaky Band, haben Musik gemacht, die nicht kopiert war. Das wurde respektiert. Gelernt habe ich, den Majors selbstbewußt gegenüberzustehen. Ich weiß genau, was ich will und versuche, zu vermeiden, im Dschungel des Musikbusiness gefressen zu werden.

K!N: Und wo ist dein Platz in diesem Dschungel?

Baroudi: Ich bin Anarchist. Ich liebe es, es dem Business schwer zu machen. Ich passe in keine Schublade.

K!N: Du wirst gern als „musikalischer Botschafter Nordafrikas“ bezeichnet …

Baroudi: Ich verstehe die Probleme meiner Landsleute, die jede Hoffnung verloren haben. Was Politik und Wirtschaft ihnen nicht geben können, kann ihnen die Musik geben. Sie ist die letzte Hoffnung für diese Länder.

K!N: Woher nimmst du deine Kraft?

Baroudi: Aus der Sonne Afrikas. Ehrlich. In der Wüste kannst du dich wirklich erholen, da ist soviel Energie. Du fängst an, dein Herz zu hören.

Interview: Bärbel Pfannerer