Heath Ledger

Den berühmteste Frauenheld der Geschichte zu verkörpern, ist sicher nicht ganz einfach. Vor allem, wenn man wie Heath Ledger (26) Frauen eher als Freunde und sogar im Interview nervös wird!

_ulysses: Heath, wie schwer ist es dir gefallen, den hemmungslosen Verführer Casanova zu spielen?

Heath Ledger: Zuerst habe ich über den historischen Casanova recherchiert und viele seiner Werke gelesen. Vielleicht wäre es allerdings besser gewesen, zuerst das Drehbuch zu lesen.

_ulysses: Warum?

Ledger: Unser Film ist alles andere als historisch korrekt. Wir haben unsere eigene Version der Geschichte in eine romantische Komödie gepackt. Für mich als Schauspieler war das natürlich prima: Die Recherchen hätte es gar nicht gebraucht, und ich konnte tun und lassen, was ich wollte.

_ulysses: Als Hollywoodstar hast du vermutlich genug Erfahrung im Umgang mit weiblichen Fans …

Ledger: Aber im Gegensatz zu Casanova habe ich bei weitem nicht mit allen geschlafen!

_ulysses: Apropos: Du bist vor ein paar Monaten Vater geworden – eine schöne Ironie bei dieser Rolle. Machst du eine Vaterschaftspause?

Ledger: Ja. Allerdings habe ich mir gerade erst ein Haus in Brooklyn gekauft und muss noch bis Mitte dieses Jahres arbeiten, um meine Schulden abzubezahlen. (lacht)

_ulysses: Bist du den Umgang mit Kindern gewohnt?

Ledger: Ich habe zwei jüngere Schwestern, und die eine hat selbst schon Zwillinge.

_ulysses: Hatte das Aufwachsen mit zwei Schwestern Auswirkungen auf die Art, wie du heute Frauen behandelst?

Ledger: Ich denke schon. Frauen sind für mich eher Freunde als Wesen, die auf Teufel komm raus erobert werden müssen.

_ulysses: Wie weißt du dann, ob wahre Liebe im Spiel ist?

Ledger: Wenn es mir so vorkommt, als ob ich eine Frau schon lange kenne, auch wenn ich sie gerade zum ersten Mal treffe. Wenn es sich so anfühlt, als ob man eine Flamme neu entfacht.

_ulysses: Neu entfacht hast du derzeit auch deine Karriere: Neben „Casanova“ warst du mit „Brokeback Mountain“ und „Brothers Grimm“ bei den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig vertreten.

Ledger: Ich bin wirklich sehr zufrieden. Als ich jünger war, wurden mir meine Entscheidungen in gewisser Weise aufgezwungen. Man besetzte mich in mehr oder weniger dummen Filmchen, und ich musste dann damit fertig werden. Das versuche ich seit etwa zwei Jahren zu ändern und gegen das einzutauschen, was ich mir selbst wünsche. Denn ich bin der Meinung, dass ich Besseres verdient habe.

_ulysses: Bereust du etwas Bestimmtes?

Ledger: Ich bereue gar nichts in meinem Leben. Wäre auch nur ein einziges Element in meiner Vergangenheit anders verlaufen, säße ich heute nicht hier. Deine Vergangenheit macht dich zu dem, was du bist. Irgendwie hatte alles seinen Sinn – auch ein paar alberne Filme.

_ulysses: Fühlst du dich erwachsen?

Ledger: Ich habe mich noch nie angekommen gefühlt und bin auch noch nicht an einem gesetzten Leben interessiert. Die Herausforderung hält mich lebendig. Außerdem habe ich mich an den ganzen Trubel noch immer nicht gewöhnt. Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich sogar gerade in diesem Moment wahnsinnig nervös. Ich gerate schnell in Panik.

_ulysses: Warum wird ein Nervenbündel wie du überhaupt Schauspieler?

Ledger: Es ist einfach so passiert. Meine Schwester hatte früher ein paar kleine Auftritte im Fernsehen, und eines Tages wollte mich ihr Agent unter Vertrag nehmen. Prompt bekam ich eine Fernsehrolle, und plötzlich standen alle Türen offen. Davor war ich eigentlich nie an Filmen interessiert. Meine Begeisterung kam erst mit den Jahren, als ich schon lange in dem Beruf war.

_ulysses: Was wäre wohl sonst aus dir geworden?

Ledger: Keine Ahnung. Wahrscheinlich hätte ich mein Leben am Strand verbracht.

_ulysses: Auf dem Unterarm hast du den Sinatra-Songtitel „Old Man River“ tätowiert. Was hat das zu bedeuten?

Ledger: Das erinnert mich irgendwie an die Ewigkeit. Mir kommt es so vor, als ob ich momentan in rasender Geschwindigkeit diesen Fluss des Lebens entlangschwimme. Vielleicht ist es bald an der Zeit, mal anzuhalten und zu genießen. Bei vielen Männern verändert sich das Leben, wenn sie 30 Jahre alt werden. Mir kommt es so vor, als ob sich bei mir schon jetzt alles im Umbruch befindet.

Interview: Johannes Bonke

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