Heike Makatsch: Lebe lieber ausgefüllter

Irgendwann verschwand Heike Makatsch plötzlich nach London. Dann kam sie ebenso überraschend wieder zurück. Die 34-Jährige nimmt ihre Lebenswege so, wie sie kommen. Auch als krebskranke Country-Sängerin in „Almost heaven“ folgt sie den Pfaden, die sich ergeben – wenn sie auch nach Jamaika führen und danach in den Himmel.

_ulysses: Hallo Heike, sind die Haare kürzer geworden?

Heike Makatsch: Die sind zusammengebunden. Pferdeschwanz nennt man so was. Die sind eigentlich lang.

_ulysses: „Almost Heaven“ ist endlich mal ein Film über ein Krebsleiden, bei dem die Haare dran bleiben.

Makatsch: Ja, das stimmt. Aber bei uns steht Krebs als Krankheit ja auch gar nicht im Vordergrund, sondern eher das intensivierte Gefühl, dass die Lebensspanne, die einem geschenkt wird, kurz ist. Das wissen wir zwar alle über unser eigenes Leben. Aber durch die Uhr, die im Film tickt, wird das etwas stärker verbildlicht.

_ulysses: Du spielst eine Frau, die ganz und gar in der Country-Musik aufgeht. Eigener Wunsch, oder stand’s einfach im Drehbuch?

Makatsch: Stand einfach im Drehbuch. (lacht) So ist das meistens, dass einem eine Rolle angeboten wird und einem dann die Rolle gefällt, weil da die Elemente drin sind, die einen ansprechen – unter anderem auch, dass die Figur gesungen hat, dass sie eben Country-Sängerin ist und wie ein fish out of the water in einer Umgebung landet, die überhaupt nicht ihren Vorstellungen entspricht.

_ulysses: Es gibt so manche Schauspieler, die nebenbei Musik machen und diese dann in den Film einbringen.

Makatsch: Ich mach’ ja nebenbei gar keine Musik. Nur im Film.

_ulysses: Im Film träumst du schon das ganze Leben davon, ein Country-Star zu sein – und dein Freund will genau diesen Traum von dir fernhalten.

Makatsch: So ist das manchmal in Beziehungen. Man möchte den anderen in eine Form pressen, die man selber als erstrebenswert ansieht.

_ulysses: Aber meint er es nicht eigentlich gut mit dir?

Makatsch: Doch, eben. Man denkt halt, damit würde es dem anderen besser gehen, wenn der sich doch endlich mal so verhält, wie ich mir das vorstelle. Meine Figur im Film erkennt, dass es gut und erfüllend ist, ein Ziel vor Augen zu haben. Aber nur dann, wenn man in der Lage ist, den Moment zu erkennen und zu genießen – und dann womöglich auch abzubiegen von seiner Zielgeraden.

_ulysses: Dein Tod wird im Film nicht gezeigt …

Makatsch: Es geht ja auch ums Leben und nicht um den Tod.

_ulysses: Aber sobald das Wort Krebs fällt, glaubt man sofort zu wissen, wie es weitergeht: Krankenhaus, Haare ab, Tod. Wie Mittwochabend im ZDF.

Makatsch: Der Film will zeigen, wie man das Leben erfüllender zelebrieren kann mit der Tatsache vor Augen, dass man sterblich ist.

Interview: Klaus Rathje

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