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Hiatus Kaiyote: Dann sind wir Helden …

Hiatus Kaiyote veröffentlichen ihr neues Album „Moon Valiant“
(Foto: Tré Koch)

Lange Zeit hat eine schwarze Limousine das Schicksal von Hiatus Kaiyote symbolisiert. Doch die Australier*innen sind einfach ausgestiegen.

Das dritte Album von Hiatus Kaiyote hat einen dieser Titel, die wie ein Brennglas alles verdichten, was es über den langen Zeitraum der Entstehungsgeschichte ihres Albums zu sagen gibt: „Mood Valiant“. Sechs Jahre sind ins Land gezogen, seit das australische Quartett sich mit seinem letzten Album „Choose your Weapon“ quer durch die Musiklandschaft zwischen Jazz, Funk, Soul, Pop und alternativem R’n’B gespielt hat. In der Zwischenzeit ist viel passiert – Tragisches genauso wie Momente, von denen Musiker*innen eigentlich nur träumen können. 2018 landet Sängerin Nai Palm ein Feature auf Drakes fünftem Album „Scorpion“ und facht so dasselbe Interesse, das die Kritik schon immer für die Band gehegt hat, auch endlich in der breiten Masse an. Im Oktober desselben Jahres erhält sie auch eine Brustkrebsdiagnose – dieselbe Krankheit, an der ihre Mutter verstorben ist. Und da kommt der Titel ins Spiel. Er leitet sich von den beiden Chryslern ab, die Palms alleinerziehende Mutter gefahren ist: „Sie hatte zwei Valiants, einen weißen und einen schwarzen“, erzählt Bassist Paul Bender. „Wenn sie die Kinder im schwarzen Valiant von der Schule abgeholt hat, war klar: Man sollte sich nicht mit ihr anlegen.“

Mit dem Titel gedenkt Palm ihrer Mutter – und beschreibt gleichzeitig den Zweck des dritten Hiatus-Albums als einen emotionalen Begleiter für alle Lebenslagen. „Wir hoffen, dass das Album etwas für jede Stimmung anbietet“, sagt die Sängerin. „Aber letzten Endes wollen wir, dass es Wunder hervorruft und die Fantasie befeuert.“ Das ist vielleicht das größte Wunder: Wie inspiriert und zugleich inspirierend „Mood Valiant“ trotz der gesundheitlichen Kämpfe und der Coronapandemie geworden ist. Das ist valiant –heldenhaft. Egal, ob die Melbourner sich mit dem kantigen, vor Freude überbordenden Beat von „Chivalry is not dead“ vor ihrem Bewunderer Prince verbeugen oder mit „Stone or Lavender“ der Big-Band-Ballade ein modernes Makeover verpassen: Hiatus Kaiyote bezeugen die heilende Kraft der Musik.

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