FILM

Die Geschichte einer Vergewaltigung

Es ist eine der wirklich wichtigen Serien des Herbstes, die der Pay-TV-Sender Sky in diesem Monat ausstrahlt und zum Streamen bereitstellt: Die Serie „I may destroy You“ handelt auf sehr ernsthafte Weise von den Folgen einer Vergewaltigung, ohne je auf ihre latent auch vorhandene komische Komponente zu verzichten.

Die Drehbuchautorin, Schauspielerin und Schriftstellerin Michaela Coel ist eigentlich eher für ihr komisches Talent bekannt. Den Durchbruch schaffte sie mit der Serie „Chewing Gum“, die sie auf Basis ihres gleichnamigen Theaterstücks schrieb und in der sie die Hauptrolle spielte. Im Jahr 2017 ging die Britin ghanaischer Abstammung mit der Information an die Öffentlichkeit, sie sei sexuell missbraucht worden. „I May Destroy You“ ist der Versuch Coels, das traumatische Erlebnis zu verarbeiten. Sie spielt hier die feministische Bloggerin und Buchautorin Arabella, die eines Nachts in einem Klub mit K.o.-Tropfen abgeschossen und dann vergewaltigt wird. Am Kopf verletzt, von hässlichen Flashbacks heimgesucht und die Deadline für ihr neues Buch überschreitend, beginnt sie jeden Stein in ihrem Leben umzudrehen. Coel spielt die Figur der Arabella glaubwürdig, sehr komplex und bewusst nicht immer nur schön ausgeleuchtet. „I May Destroy You“ widmet sich unterschiedlichen Varianten des sexuellen Missbrauchs, ohne je belehrend zu werden oder theorielastig, im Gegenteil: Michaela Coen wagt es sogar – und das mit Erfolg! –, dem ernsten Thema immer wieder komische Elemente unterzumischen. jw