FILM

Emanzipation mit Kopfschuss

Jean ist eine Frau, die nachmittags im Garten hinter dem Haus in der Sonne liegt und es sich gut gehen lässt. Der Mann bringt das Geld nach Hause, während sie das Heimchen am Herd spielt. Wir sind in den 1970ern, und wir sind in einem Thriller. Jeans Mann Eddie kommt nach Hause und hält ein Baby auf dem Arm. Sie hätte doch immer eins gewollt, könne aber keins bekommen, also habe er sich gekümmert. Die wenigen Minuten, die Eddie in die Handlung involviert ist, hat er genau dieses Machotum der sanft-kühlen Art drauf. Dann ist er weg, während Jean mit dem Baby hoffnungslos überfordert ist. Und plötzlich geht alles ganz schnell.

„I’m your Woman“: Großes Männersterben

Männer kommen und holen sie aus dem Haus. Menschen sterben. Ortswechsel über Ortswechsel, und alles ist unklar. Langsam schält sich heraus: Cal, Jeans Retter, ist der Freund Eddies und hat diesem versprochen, seiner Frau zu helfen, sollte es Schwierigkeiten geben. Wie viel er dabei riskiert, wird Jean erst klar, als sie Cals Frau Teri (Marsha Stephanie Blake) kennenlernt und sich mit ihr anfreundet.

Julia Hart hat das Drehbuch geschrieben und bei „I’m your Woman“ Regie geführt. Sie hat das Genre des 70er-Jahre-Thrillers auf links gestülpt. Gut: Verfolgungsjagden in Limousinen auf weichen Stoßdämpfern sind dabei. Schießereien mit vielen Toten sind dabei. Das Motiv, aus der Flucht heraus das eigene Leben nachhaltig retten zu müssen, ist dabei. Und doch ist alles anders. Männer tauchen auf, kämpfen und sterben. Frauen sind im Prinzip wehrlos, aber zäh. Und sie begehren auf. Als auch Cal (Arinzé Kene) verschwindet, schreiten Jean und Teri zur Tat. Julia Hart hat die Emanzipation zweier Frauen, vor allem aber die von Jean verfilmt. Rachel Brosnahan spielt diese Jean, die zunächst nicht mal ein Baby füttern kann, später aber schwere tote Männe keuchend aus Autos zieht und mit der Waffe umzugehen weiß. Brosnahan kennen wir bereits aus der Serie „The Marvelous Mrs. Maisel“, in der sie die Hauptrolle der jüdischen Hausfrau Midge spielt, die in den späten 1950ern als Stand-up-Comedian Karriere macht. Auch eine Geschichte der Emanzipation, aber eine komische. Hier aber in der Rolle der Jean zeigt uns die bestens aufgelegte Emmy- und Golden-Globe-Gewinnerin eine Frau, die ihr Make-up abwischt und kämpft. jw

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