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It’s Getting Hot in Here! So war das 30-jährige Hurricane-Festival-Jubiläum

Das Hurricane Festival Publikum feiert beim Headliner Yungblud.
Happy Birthday Hurricane! So war das Festival Wochenende in Scheeßel. (Foto: Louisa Schumacher)

Drei Tage Hitze und Party: Vom 19. bis 21. Juni feierte das Hurricane Festival in Scheeßel seinen 30. Geburtstag und es wurde eine richtig große Party.

Bei schwitzigen 33 Grad im Schatten und gefühlten 40 in der Sonne ließ sich drei Tage lang durchfeiern, mit hochkarätigen deutschen und internationalen Acts für jeden Geschmack. Richtig gut gelöst war dabei die Verteilung der Bühnen: Während auf der River Stage und der Forest Stage die großen internationalen Acts und deutschen Headliner für das Programm im Infield sorgten, ging es auf der Mountain Stage vor allem deutschsprachig und rap-lastig zur Sache, während die Wild Coast Stage im schattigen Zelt Raum für Newcomer:innen und nischigere Acts bot. Auch wenn die langen Wege bei der Hitze nicht gerade verlockend klangen, ließ es sich mit einem Eis hier, einer Wassermaschine da und Securities, die die Menge mit Wasserpistolen und Schläuchen erfrischten, ganz gut zwischen den Bühnen wechseln.

Auch abseits der Bühnen hat das Hurricane einiges richtig gemacht: Awareness-Teams waren durchgehend auf dem Gelände unterwegs. Auch viele Künstler:innen nutzten ihre Bühnenzeit für klare Ansagen über Konsens und Rücksicht in der Crowd, dazu, wo man sich melden kann, wenn etwas Übergriffiges passiert. Die Botschaft: laut sein, sich Hilfe holen, nicht wegschauen. Das Ergebnis war eine auffallend liebevolle, sichere Atmosphäre, in der ausgelassen gefeiert werden konnte.

Bei Bosses Song "Schönste Zeit" bildet sich eine Polonaise durch das Publikum des Hurricane Festivals.
Tanzend durch die Hitze, das Hurricane Publikum lässt sich nicht unterkriegen. Foto: Louisa Schumacher

Tag 1: Politik, Schweiß und ein Konfettiregen

Das Hurricane startete mit voller Power: Grandson eröffnete die Forest Stage mit Alternative-Sounds und politischer Satire, danach ging’s mit Indiepop von Rikas und später mit Kayla Shyx im Zelt der Wild Coast Stage weiter – Discokugel, Seifenblasen und Sad-Girl-Summer-Vibes inklusive. Auf dem Infield eröffnete Bosse seinen Auftritt mit einem klaren politischen Statement gegen Hass und digitale Gewalt und sang gemeinsam mit den Hansemädchen „Lass dich nicht f!cken“, bevor der Vorhang fiel und er mit weiblichem Chor und wehenden Flaggen weitermachte. Spätestens bei seinem Hit „Schönste Zeit“ – der Hymne des Wochenendes, ob man Bosse nun hört oder nicht – brachen Polonaisen und freies Tanzen aus.

Zum Sonnenuntergang übernahm Yungblud die Bühne. Als britischer Rocker und musikalischer Erbe der verstorbenen Rock-Legende Ozzy Osbourne, dem er seine Show widmete, machte er seinem Ruf alle Ehre. Es wurde getanzt, gemosht, auf Schultern geklettert, und das Highlight war, als er einen Fan auf die Bühne holte, um seinen Song „Fleabag“ gemeinsam mit ihm an der Gitarre zu Ende zu spielen.

Den Tag krönten Kraftklub. Die Band aus Chemnitz hatte den Titel ihres aktuellen Albums „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ mitsamt Countdown groß neben der Mainstage installiert, damit es niemand verpasst. Mit gewohntem Charme und Humor führte Frontmann Felix Brummer durch das Set. Bei Hits wie „Schüsse in die Luft“, „Randale“ und „Songs für Liam“ sah die Crowd von oben aus wie ein Schweizer Käse – so viele Moshpits öffneten und schlossen sich. Ein wahnsinniger Start ins Jubiläum. Wer noch Energie hatte, feierte bis zwei Uhr nachts im Schlagerstrudel  und Konfetti von Roy Bianco und den Abbrunzati Boys weiter.

Tyler Joseph von Twenty One Pilots perfomt auf der Bühne des Hurricane Festivals.
Das Highlight des Wochenendes: Twenty One Pilots mit ihrem interaktivem Headliner-Set Foto: Louisa Schumacher

Tag 2: Von irischen Newcomerinnen bis zum Headliner-Dilemma

Eine traurige Nachricht gibt es: Am Samstag verstarb eine 41-jährige Besucherin auf dem Gelände, mutmaßlich an einer Vorerkrankung. Laut Veranstalter bestand kein Zusammenhang mit dem Festivalgeschehen. Unser Beileid gilt ihren Angehörigen, bevor wir auf die schönen Momente des Wochenendes blicken.

Los ging’s mit den irischen Newcomerinnen von Florence Road, deren Set schon am Vormittag für ein großes Publikum sorgte. Es folgten Yonaka mit energiegeladener Bühnenshow, Natasha Bedingfield mit Singalong-Pop und Wolf Alice, deren erstaunlich rockiges Set vor glitzerndem Vorhang verzauberte.

Abends folgte das Ritual mit Florence + The Machine: Mit grandioser Stimme brachte Florence Welch ihr neues Album „Everybody scream“ auf die Bühne, bei „Shake it out“ und „Dog Days are over“ sprang und schrie das ganze Infield mit. Leider überschnitt sich ihr Set mit dem letzten Headliner des Abends, Twenty One Pilots, also hieß es: weiterziehen. Das einzige Manko an Festivals: zu viel Programm, zu oft zeitgleich. Zwei Headliner, die man nicht beide sehen kann, das ist schon schade.

Aber zu Twenty One Pilots zu gehen, wird wohl niemand bereut haben. Vor komplett überfülltem Feld lieferten sie den besten Auftritt des Wochenendes. Drummer Josh Dun kletterte aufs Dach der Mainstage zu einem zweiten Drumset und ließ sich später mit dem Schlagzeug auf einer Plattform auf der Crowd tragen. Auch Sänger Tyler Joseph hielt es kaum auf der Bühne. Ob Crowd-Stand, Fans abklatschen an der ersten Reihe oder schneller Sprint durch die Menge zum Soundzelt – so viel Interaktion ist selten. Beim Hit „Ride“ durfte ein schüchtern-glücklicher junger Fan auf die Bühne, um den Song gemeinsam mit der Band aus Ohio zu beenden. Den Abschluss bildete ein emotionaler Best-of-Rückblick von 30 Jahre Hurricane, gekrönt von einem großen Feuerwerk.

Ein Mann Crowdsurft duch das Publikum, zwischen großen Bällen und Seifenblasen.
Crowdsurfen, Headbangen, Hip-Hop-Hände: Das Hurricane-Publikum gibt alles. Foto: Louisa Schumacher

Tag 3: Hitze, Glitzer und ein doppeltes Jubiläum

Genauso heiß wie die Tage davor, aber damit hatten sich alle längst abgefunden. Den Tag eröffnete Newcomerin Vicky, die ähnlich wie Ikkimel die Crowd mit feministischen Texten zum Ausrasten brachte. Es folgten die kanadischen Popgirls The Beaches (irgendwann nur noch in Unterwäsche unterwegs), A Day To Remember mit voller Rock-Action, Empire Of The Sun in ausladenden Kostümen im goldenen Sonnenuntergangslicht und BHZ, die auf der Mountain Stage die Deutschrap-Nostalgie hochleben ließen.

Headlinerin Halsey legte mit ihrem Festival-Set „The Girl in the Tower“ einen fast theatralischen Akt hin. Radiohits wie „Closer“ als Rock-Version und Fackeln auf feuriger Bühne, performt, als gäbe es kein Morgen mehr. Definitiv ein Highlight. Das Wochenende endete mit Billy Talent: Die Rock-Ikonen gaben dem 30-jährigen Jubiläum mit „Red Flag“ und „Fallen Leaves“ einen gebührenden Abschluss und brachten die Menge zum Kochen. Passenderweise feierten sie selbst gerade ihr 20-jähriges Bandjubiläum. Ein doppelter Geburtstag zum Abschluss des wohl heißesten Festivalwochenendes ever.

Ein rundes Jubiläum

Das Hurricane lohnt sich wirklich: ein voller Timetable, und trotzdem hat im Zeitplan alles reibungslos geklappt. Die Hitze wurde super gehandhabt, und man muss den Mitarbeitenden und vor allem den Securities ein riesiges Lob aussprechen, die unter diesen extremen Bedingungen die Laune behalten, mitgesungen und mitgetanzt und das Festival trotz seiner Größe super persönlich haben wirken lassen. Bewässert wurde jeder ausreichend, und ja, der ein oder andere Sonnenbrand wurde sich definitiv eingeholt, dazu Blasen an den Füßen und staubige Körper – aber hey, das gehört irgendwie dazu. Happy Birthday, Hurricane!

 

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