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Jean-Philippe Blondel: Zweiundzwanzig

Jean-Philippe Blondel hatte stets Angst vor dem Fahrstil seines Vaters, insbesondere, nachdem dieser den Wagen lenkte, den weder seine Mutter noch sein Bruder lebend verlassen sollten. Da war Blondel 18 Jahre alt. Vier Jahre später fährt sich der Vater selbst zu Tode – eine Erlösung. Vor seinem eigenen Tod stand dieser schonmal mit einem Messer stundenlang im Zimmer seines noch lebenden Sohnes, der seine Trauer erst nach dem Ableben seines psychisch labilen Erzeugers verarbeiten kann.

Trotz des real gewordenen Horrorszenarios ist „Zweiundzwanzig“ ein hoffnungsvoller Roman, der ohne Pathos und Endzeitstimmung vom Weg zurück ins Leben erzählt. Der Erzähler fliegt mit seiner Exfreundin Laure und seinem besten Freund Samuel nach Kalifornien, die drei versumpfen in Las Vegas, fahren durch Mexiko und Los Angeles, der junge Blondel trinkt Tequila mit einer einsamen Motelbesitzerin und erinnert sich an seine viel zu kurze Jugend. Dass gegen Ende doch auf die Tränendrüse gedrückt wird, sei nicht nur wegen des autobiographischen Hintergrundes verziehen. Im Gegenteil: Durch einfühlsame Farbsymbolik entfaltet das Finale eine nahezu kathartische Wirkung.

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