Zum Inhalt springen

Jeff Beck: Wenn die Amsel groovt

Drei Ausnahmegitarristen – und alle in einer Band: Jimmy Page, Eric Clapton und Jeff Beck spielten einst bei den legendären Yardbirds. Page und Clapton wurden Superstars, Beck nicht. An seiner Virtuosität, erneut demonstriert auf seinen Album „You had it coming” (Epic), hat’s wohl nicht gelegen. Oder vielleicht gerade an ihr?

kulturnews: Jeff, dein neues Album klingt nach einer Frischzellenkur für die Rockmusik. Was ist der Trick?

Jeff Beck: Ich habe endlich mal mit Leuten gearbeitet, die mich verstehen. Zum Beispiel mein Produzent Andy Wright: Er hört mir einfach gut zu. Zunächst hatten wir 14 Songs, für sich alle klasse, aber zusammen klang das nicht nach einem Album. Andy und ich haben dann wie mit einem Metalldetektor das Beste herausgefischt. Das macht die Platte so zugänglich und direkt.

kulturnews: Woher kommen nach einer so langen Karriere wie deiner noch die Inspirationen?

Beck: Ich versuche einfach, meine Augen und Ohren offen zu halten. Man mag’s nicht glauben: Ich höre Radio. Auch wenn man sich stark wundert, was da alles so läuft. Aber ich werde auch auf Künstler wie Nitin Sawhney aufmerksam.

kulturnews: Von dem du den Song „Nadia“ coverst …

Beck: Leute wie er bringen die Musik voran, in seinem Fall die indische.

kulturnews: Neuerdings jammst du auch mit Singvögeln. Wieviel Groove hat die Natur?

Beck: Vor meinem Küchenfenster sang morgens immer diese Amsel. Irgendwann musste ich sie aufnehmen und ein Stück daraus machen. Und es stimmt: Um uns herum ist überall Rock’n’Roll. Jeder Sound, inklusive Industrielärm, beeinflusst die moderne Musik.

kulturnews: Du giltst als einer der besten lebenden Rockgitarristen. Gibt es nach 35 Jahren auf der Bühne für dich noch Grenzen?

Beck: Und ob! Ich selbst habe das Gefühl, mich immer noch zu etablieren. Ich mache laufend zwei Schritte vorwärts und einen zurück. Eigentlich halte ich den Kopf gerade so aus dem Wasser. Aber eins ist sicher: Ich weiß jetzt genau, was ich will und was nicht. Ich werde zum Beispiel niemals ein reines Blues- oder Metalalbum machen. Auch wenn man das immer wieder von mir verlangt.

Interview: Frank Nischk