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Jessica Keener: Schwimmen in der Nacht

18 Jahre lang schrieb Jessica Keener an ihrem nachdenklichen Debütroman, der sich zwischen vielschichtigem Familienporträt und Coming-of-Age-Drama verorten lässt. In einer Bostoner Vorstadtvilla lebt die 15-järige Sarah in den 70ern mit den Eltern und ihren drei Brüdern. Doch hinter der perfekten Familienfassade aus Philharmonie-Konzerten und Country-Club-Partys bröckelt es gewaltig: Die Ehe von Sarahs Eltern liegt in Scherben und ihre Mutter entfernt sich mehr und mehr …

Die komplexen familiären Strukturen sind Dreh- und Angelpunkt der Handlung, doch im Fokus steht immer Sarahs Reifungsprozess, der bei der schwärmenden Pubertierenden beginnt und irgendwo zwischen großer Traurigkeit und extremer Selbstbestimmung ankommt. Keener schreibt ausschweifend und fließend, und ihre detailreichen Beschreibungen lassen tief in die Gefühlswelt der Protagonistin blicken.

Sehr gelungen ist auch, wie sie Musikmotive in den Roman einarbeitet. Musik ist Sarahs verbindendes Element zum älteren Bruder Peter, aber sie ist ihr auch Fluchtweg, Trost und Hoffnung. Da ist es doch sehr beruhigend, das das zweite Buch der US-Amerikanerin keine 18 Jahre auf sich warten lässt: Im englischsprachigen Original ist der Kurzgeschichtenband „Women in Bed“ bereits erhältlich. (ls)

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