MUSIK

Kinderzimmer Productions: Zurück in der Spielecke

Kinderzimmer Productions
Foto: Max Zerrahn

Henrik, die Klangästhetik eurer neuen Platte schließt an die alten Kinderzimmer Productions-Alben an. Habt ihr euch vor eurem Comeback überhaupt gefragt, wie ihr klingen wollt?

Henrik von Holtum: Sascha und ich waren schon immer gut darin, miteinander Ping Pong zu spielen. Wenn wir zusammenarbeiten, ist es so, dass wir Entscheidungen treffen, die der jeweils andere auf jeden Fall nicht so treffen würde. Wir können beide HipHop-Beats bauen, aber so entsteht daraus etwas, das uns beide überrascht. Ich glaube, letztlich wollten wir vor allem auf dieses Gefühl heraus. Natürlich machen wir dann keine Trap-Beats, und ich dreh auch nicht unbedingt Autotune auf. Was sollte das auch?

Diese zeitgemäßen Elemente aufzugreifen, war keine Option?

Von Holtum: Ich habe das Gefühl, dass HipHop gerade zum zweiten Mal einen fundamentalen Wandel durchlaufen hat. Dieser Wandel fällt in eine Klangästhetik und in ein musikalisches Konzept, das mich von der Energie her nicht interessiert – auch wenn der Wandel für mich schlüssig ist. Irgendwann nach 2000 war dieser Punkt erreicht, an dem man das Gefühl hatte, dass man jetzt 15 Jahre üben muss, um den Leuten technisch noch hinterherzukommen. Rap musste wieder zugänglich werden. Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu kapieren, und verstehe auch die Notwendigkeit, eine neue Ästhetik zu etablieren. Trotzdem feiere ich das nicht.

In dem Song „Oh Yeah“ sagst du: „Wir haben Berlin und verlieren Manhattan/Donald Trump beginnt zu rappen.“ Da spüre ich auch eine Kritik am aktuellen HipHop-Zeitgeist.

Von Holtum: Am Anfang dieser Zeile stand eigentlich ein Zitat von Leonhard Cohen: „First we take Manhattan, then we take Berlin.“ Grundsätzlich bezieht sich die Zeile aber vor allem auf das Gefühl, dass HipHop heute total im Mainstream angekommen ist. Es ist keine krasse kulturelle Nebenerscheinung mehr, die nur Connaisseure kennen, sondern Teil der großen amerikanischen Saga. Und was ich so verrückt finde: Donald Trump ist der krasseste alte weiße Mann, den man sich vorstellen kann. Und gleichzeitig ist er von der Attitüde her eigentlich HipHop. Wenn du zum Beispiel Songs von Busta Rhymes mit seinen Reden vergleichst, ist die Logik dahinter recht ähnlich. Du hast also keinen alleinigen Zugriff mehr auf diese Art der Attitüde. Alles, womit du in den 80er- und 90er-Jahren noch kulturell Opposition erzeugen konntest, ist voll in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Interview: Stefan Grüll

Das neue Album „Todesverachtung to go“ erscheint am 17. Januar.

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