SELEKTOR

Willkommen zurück, Kino!

Kinosaal (Symbolbild)
Willkommen zurück, Kino! Kinosaal (Symbolbild)Foto: Miriam Trescher / pixelio.de

Wir erinnern uns in der Rückschau stets an das, was uns emotional besonders stark berührt hat: der erste Kuss, die erste Liebe, der erste Sex, die erste Trennung, der erste Urlaub, das erste Kind. Aber auch: die erste Platte, das erste Konzert, der erste Kino-Besuch. Kultur brennt sich in unseren Köpfen genauso ein wie die Meilen­steine der persönlichen Entwicklung – denn dieser Song und dieser Livegig und dieser Streifen sind der Soundtrack und die Be­bilderung unseres Reifeprozesses. Kultur ist dafür ein Gatekeeper; was man wann hört, schaut und liest, sagt einem, wie weit man im Leben gekommen ist, an ­welcher Stelle und Schwelle man sich befindet, welche Schritte man gerade macht.

Die Kino-Helden der Kindheit

Meine Kinobesuche Anfang der 80er-Jahre markierten für mich den Übergang vom Kind zum Jungen. Ich war zehn und alt genug, um ohne Begleitung im UFA-Kino am Hamburger Gänsemarkt diesen mys­tischen, dunklen, von Bildern, Tönen und Geschichten erfüllten Raum zu betreten. Davor hatte ich zwar Disney-Trickfilme mit meinen Eltern gesehen, aber das war nicht dasselbe. Nein, ich war reif für richtige Kinoabenteuer, für richtige Filme mit richtigen Abenteuern: E.T.Belmondo und Bud Spencer, James Bond und Luke Skywalker waren die Helden, die mich auf meinem Weg begleiteten.

Begleiter in allen Lebenslagen- und jahren

1988 wurde ich im überfüllten Kinosaal unter Aufsicht von Bruce Willis in Stirb langsam vom Jungen zum Mann, die Etablierung des Lachens von der Vorliebe zu meiner Lebensphilosophie nahm Leslie Nielsen in Die nackte Kanone vor. Ich erlebte meine Entwicklung zum Cineasten mit The Godfather im Jahr 1992 im Cine­as­tenkino Metropolis, mein vorüber­geh­en­des Abrutschen ins Nerdtum mit hand­gezählten 323 Kinobesuchen im Jahr 1993 – und 1997 den ersten Schritt zum Profi mit meiner ersten Pressevorführung: Alien Resurrection. Das Kino ist immer mein treuester Freund gewesen. Alle anderen hatten auch gar nicht so viel Zeit.

Kino? Immer!

Und jetzt? Ich möchte, dass meine Kinder die gleiche Erfahrung machen wie ich. Ich möchte, dass sie fühlen, was für eine unvergleichliche Erfahrung es ist, zusammen mit Hunderten von anderen Menschen gleichzeitig aufzubrüllen vor Lachen, aufzuschreien vor Angst und zu schweigen vor Betroffenheit, am besten alles in einem Film. Deswegen: Gehen wir ins Kino. Erinnern wir uns.