Klara und die Sonne im Kino: Eine märchenhafte Dystopie
Ein Science-Fiction-Drama, bei dem der Roboter Klara ziemlich gut wegkommt und damit leider die grundlegenden Fragen in Bezug auf KI und Menschlichkeit verfehlt.

Eine Familie in Schieflage
Klara, der humanoide Roboter der Reihe „Artificial Friend“, hat es geschafft. Sie wurde von der Teenagerin Josie ausgesucht und findet bei ihr ein neues Zuhause. Schnell schließt man den Roboter Klara – gut, aber fast zu menschlich gespielt von Jenna Ortega – wegen ihrer großen, braunen, leuchtenden Augen, ihrer Sommersprossen und vor allem durch ihre neugierige, empathische Art ins Herz. Langsam wird durch Klaras Augen deutlich, dass in ihrer neuen Familie etwas nicht stimmt: Die Mutter Chrissy (Amy Adams) trauert um ihre gestorbene Tochter, und Josie unterliegt einer schweren Krankheit. Grund dafür ist ein misslungenes „Lifting“, ein genetischer Eingriff, der einen überdurchschnittlich intelligent macht. Dies können sich nur reiche Familien leisten, die ihren Kindern zu großer Macht verhelfen wollen.
Wo bleibt die Ernsthaftigkeit
„Klara und die Sonne“ spielt in einer unbestimmten Zukunft nach dem Dritten Weltkrieg, in der es kein Internet mehr gibt. Der Film zeichnet sich durch seine farbenfroh leuchtende Bildsprache und die märchenhafte Ästhetik des von Retroelementen gesäumten, unglaubwürdig abgelegenen Hauses und der weitläufigen Natur drumherum aus. Der Film erinnert eher an die geheimnisvolle Wunderwelt in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (2005) und beißt sich damit mit dem Thema, das der Film eigentlich zu verhandeln versucht und das einer größeren Portion Ernsthaftigkeit bedurft hätte. Dies fällt vor allem im Kontrast zur Romanvorlage von Kazuo Ishiguro auf: Diese überzeugt vor allem dadurch, dass sie auf unaufdringliche Art der philosophischen Frage nachspürt, was es bedeutet, Mensch zu sein, und wie dieser auf eine hochtechnisierte Welt reagiert. Dies wird in Taika Waititis Verfilmung nur sehr mangelhaft umgesetzt. Auch die Ungerechtigkeit, die mit dem „Lifting“ einhergeht, wird nicht weiter aufgegriffen. Das Science-Fiction-Drama bekommt dadurch einen leicht kitschigen, verharmlosenden Unterton und wirkt vor allem sehr naiv.
Ein Roboter mit gutem Herzen
Hinzu kommt, dass der unrealistisch gefühlsgelenkte Roboter Klara sich selbst ihrer Gottheit, der Sonne, opfern will, um Josie wieder zur Gesundheit zu verhelfen. Jedoch wird Klara in ihrer Gutherzigkeit zu einfach dargestellt, und die Frage nach der Menschlichkeit in einem Roboter nur sehr unbefriedigend und eindimensional beantwortet. Statt die Idee eines „Artificial Friend“ kritisch zu beleuchten, wird dieser zum selbstlosen Helden verharmlost und romantisiert.
Wenn Kummer die Technik steuert
Auf der anderen Seite steht die Mutter Chrissy, die zunehmend in den moralischen Abgrund einer übertechnisierten Welt rutscht. Sie lässt Scans von ihrer noch lebenden Tochter machen, um einen Roboter nachzubauen, der ihre Tochter ersetzen soll, sobald diese stirbt. Das Dystopische an dem Film ist nicht der Roboter selbst, sondern das Menschenbild in einer so technisch fortgeschrittenen Welt und wie Menschen diese Roboter instrumentalisieren, um zum Beispiel ihre Geliebten zu ersetzen. Diese Zukunftsvision hat etwas zutiefst Beunruhigendes und zeigt, wozu Menschen fähig sind, wenn sie einen Verlust erleiden und der Technik keine Grenzen mehr gesetzt sind.
Film

Sehenswert

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