Zum Inhalt springen

Kreidler: Freie Ritter

Düsseldorf ist ein fruchtbarer Boden für elektronische Musik. Neben Mouse On Mars und den Obergurus von Kraftwerk ist auch Kreidler ein Erfolgsprodukt vom Rhein. Das ehemalige Quartett, inzwischen zum Trio geschrumpft, meldet sich nach einigen Monaten Funkstille mit einem neuen Album zurück.

city.mag: Detlef, Thomas, Andreas, liegt eure Kunst in der Reduktion?

Detlef Weinrich: Ja, und die Frage ehrt uns. Ein gutes Stück kann auch aus nur vier Tonspuren bestehen. Man muss die Dinge nicht immer aufblasen.

Andreas Reihse: Das unterscheidet uns etwa von Mouse On Mars, deren Songs immer Tausende von Ideen enthalten, die einem im Kopf rumzwirbeln. Wir suchen uns eher ein Motiv, das dann als Klammer um den Song steht. Eigentlich das Konzept des klassischen Popsongs.

Thomas Klein: Ein Grundmotiv für das neue Album ist auch ein Freiheitsgedanke: Wir haben jetzt unser eigenes Studio und die Plattenfirma gewechselt. Wir sind freie Ritter, nur noch Gott verpflichtet, wobei der heutzutage wohl eher in der Teilchenphysik zu suchen ist. Ich kann jetzt arbeiten, wie ich das will, und muss nicht an den Drums sitzen, wenn ich eigentlich viel lieber am Rechner arbeite.

city.mag: Ab und an ist auf dem neuen Album das Knacken einer Vinyl-Platte zu hören. Ist das die Sehnsucht der Elektroniker nach der Wärme der guten, alten analogen Welt?

Reihse: Eigentlich ist das eine eher technische Geschichte: Zunächst hatte ich da eine fette Drum, die mir aber nur Probleme gemacht hat. Am Ende blieb von ihr nur ein Knacken übrig.

Weinrich: Außerdem glauben wir an das Vinyl. Wir würden zu keiner Plattenfirma gehen, die keine Vinylscheiben produziert. Es klingt einfach besser als auf CD. Dazu kommt, dass ich vor dem Objekt LP viel mehr Ehrfurcht habe als vor einer schnöden CD. Die brennt man sich schnell. Menschen lieben echte Objekte.

city.mag: Fetisch LP?

Weinrich: Also zum Beispiel MP3-Files runterladen, das kann ich mir schon gar nicht vorstellen. Nicht mehr in den Plattenladen gehen und da seine Freunde treffen, das ist alles total unkommunikativ, etwas für Computerfreaks, die keine Freundin haben.

city.mag: Der Computer ist für euch also eher Werkzeug als Weltanschauung?

Reihse: Genau. Kraftwerks Konzept der Menschmaschine trifft für Kreidler nicht zu.

Interview: Frank Nischk