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Alan Parks: Tod im Februar

Alan Parks - Tod im Februar
Alan Parks - Tod im Februar, Buchcover

Alan Parks reiht sich mit seiner düsteren Harry-McCoy-Reihe in die Tradition des Tartan-Noir ein, deren stilbildender Vertreter immer noch William McIlvanney ist. Dessen Figur Laidlaw gab Ende der 1970er den schroffen und zugleich melancholischen Sound der Krimis aus der Arbeiterstadt vor, an den viele schottische Autoren anknüpfen.

Waschlappen ins Maul gestopft, zwei Billardkugeln in eine Wollsocke und – zack – mit vollem Wumms in die Kinderschänderfresse. Das ist Abreibung im Glasgow-Style, und Cops und Mobster sind da in ihren Methoden kaum mehr zu unterscheiden. In den ersten Februartagen des Jahres 1973 herrscht ein rauer Wind in der schottischen Industriestadt. Nicht nur, weil es noch rattig kalt ist, sondern weil sich neben dem Frost auch der Frust in die löchrigen Tweedjacken der Glaswegians frisst. Die Stahlwerke und Kohleminen haben dicht gemacht, Arbeitslosigkeit führt zu verstärkter Bandenkriminalität, und der Drogenhandel bringt immer mehr Gewalt in die Stadt. Harry McCoy konnte sich trotz Säufervater und Kinderheimen vor ein paar Jahren gerade noch zum Detective hochhangeln. Sonst stände er jetzt wohl auch auf der anderen Seite, wie sein Gangsterkumpel Cooper, mit dem er von klein auf den Kontakt hält. Auch mit Anfang 30 hat McCoy immer wieder mit den traumatisierenden Erlebnissen seiner Jugend zu knapsen, und gerade erst hat ihn der Psycho-Doc nach einer Zwangspause wieder zum Dienst zugelassen. Doch ist dieser Job für den mauligen Detective wortwörtlich zum Kotzen, wenn er nach einem Joint und mehreren Dosen Pale Ale einen jungen Celtic-Spieler hingerichtet auf einer Baustelle begutachten muss: das Hirn durch einen Kopfschuss weggesplattert, auf der Brust mit einem Rasiermesser ein blutiges „BYE BYE“ geritzt. Chief Murray und der noch unerfahrene Detective Wattie geraten bei den Ermittlungen immer wieder mit dem aufbrausenden McCoy aneinander, der bei Befragungen schon mal Zeugen in die Fresse tritt oder zugedröhnt vom Whisky und den Downern zum Dienst erscheint. Trotzdem hat McCoy dann doch immer wieder den richtigen Riecher. Da der tote Spieler mit der Tochter eines Mobster-Bosses zusammen war, deutet alles auf Bandenbeef um dreckige Geschäfte hin, deren Spuren bis in die höchsten Kreise verfolgt werden. Als kurz darauf ein nächstes Opfer gefunden wird und McCoy sich außerdem durch Freund Cooper zu einer blutigen Racheaktion hinreißen lässt, geht es für den Detective plötzlich um Kopf und Kragen …

Geplant hat Parks eine zwölfteilige Serie, die jeweils Monat für Monat weiter springt und so zu einer Chronik Glasgows wird, dessen Niedergang wir an der Seite des raubeinigen Harry McCoy verfolgen. Spätestens mit diesem zweiten Band ist man von seinen authentischen Figuren angefixt, die noch so einiges an Potenzial in sich tragen. Also her damit, Alan Parks!

Nils Heuner


Alan Parks Tod im Februar
Heyne, 2019, 432 Seiten, 16€
Aus d. Engl. v. Conny Lösch

 

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