kulturnews Berlin

Das Beste aus den nächsten zwei Wochen: Theater, Klassik, Konzerte und Entertainment.
Konzert
We Are Scientists
Neben dem guten, eklektischen Indierock ist auch der Humor ein Markenzeichen von We Are Scientists. Chris Cain und Keith Murray, zwei Jungs aus Kalifornien, haben dann auch zunächst über Stand-Up-Comedy zusammengefunden und erst später mit der Musik angefangen. Auch eine Sketchshow haben sie schon aus der Taufe gehoben. Klar also, dass die aktuelle Tour zum 50. Jubiläums ihrer allerersten Platte „With Love and Squalor“ auch nicht ganz ernst gemeint ist – denn das Album ist erst 2005 erschienen. Aber wie We Are Scientists selbst sagen: Wer feiert schon 14 Jahre Debütalbum?
Heimathafen Neukölln 28. 11., 20 Uhr

Klassik
Ólafur Arnalds
Was ist Klassik eigentlich heute? In den letzten Jahren scheint diese Frage der Musikindustrie immer dringlicher zu sein. Der Beitrag des Konzerthauses Berlin zu dieser Diskussion ist die „Klazzik“-Reihe: Die hier versammelten Künstler*innen überwinden Grenzen zwischen Klassik, Pop und Jazz, um nur einige Genres zu nennen. Den Auftakt macht im November der isländische Pianist Ólafur Arnalds, einer der spannendsten Klassiker der Stunde. In seinem „re:member“-Programm bringt Arnalds neben Schlagzeug, zwei Geigen, einer Viola und einem Violoncello auch zwei selbstspielende Klaviere mit nach Berlin, die via einer selbstentwickelten Software von seinem Klavier gesteuert werden. Somit ist mit künstlicher Intelligenz noch ein weiteres, brandaktuelles Thema der zeitgenössischen Klassik an diesem Abend präsent. Wer sich für Klassik interessiert, kommt an Ólafur Arnalds also – wieder mal – nicht vorbei.
Konzerthaus 16. 11., 21 Uhr

Theater
Howl. Ein Abend für Allen Ginsberg
Kunst ist dazu da, Welten erfahrbar zu machen – Allen Ginsbergs legendäres Gedicht „Howl“ (1956) hat genau dies geschafft. Mit leidenschaftlich-schonungsloser Poesie zeichnet Ginsberg darin ein amerikanisches Gesellschaftsbild, das gemäß dem konservativen Zeitgeist der 1950er-Jahre als zu obszön galt, um ohne prüfenden Gerichtsprozess davonzukommen. Das überraschende Ergebnis war ein Zuspruch für die künstlerische Freiheit. Fortan galt „Howl“ als revolutionär. Regisseur David Marton verbindet das visuelle Vermächtnis amerikanischer Fotografen mit der literarischen Wirkungskraft Ginsbergs und dessen musikalischer Besinnungsreise. Über den Zusammenhang dieser drei künstlerischen Bereiche gibt sich die Volksbühne geheimnisvoll. Ginsbergs Plan, „Howl“ solle als „emotionale Zeitbombe im Bewusstsein der Vereinigten Staaten explodieren, falls der militärisch-industrielle nationalistische Komplex sich zu einem repressiven Polizeistaat entwickeln sollte“, lässt jedoch einen brandaktuellen Treffer vermuten.
Volksbühne Uraufführung 21. 11., 19.30 Uhr

Entertainment
Sarah Hakenberg
„Dann kam lange nichts“: Der Titel ihres neuen Programms spiegelt die Region von Sarah Hakenbergs aktuellem Wohnort wider: Ostwestfalen. Vom wegbrechenden Handynetz über die fehlenden Szenekneipen bis hin zur langweiligen Natur: Die Tristesse des Themas wird nur dadurch konterkariert, dass Hakenberg auf der Bühne das Gegenteil von weinerlich ist. Wer sie kennt, weiß: diese Frau wird böse, sehr böse, wenn sie will. Und lustig.
Kookaburra 21.–23. 11., 20 Uhr

Entertainment
Christine Prayon
Mit der Behauptung, eine Frau ab Mitte 40 stelle eine ästhetische Provokation dar, nennt Christine Prayon ihr neues Programm „Abschiedstour“. Was wir ihr natürlich nicht glauben. Die Frau, die Nabelschau-Poetry-Slam so gut persifliert, wie sie Mario-Barth-Texte als zeitgenössische Gedichte vorträgt – in Badeanzug und mit Schwimmbrille auf: Diese Kabarettistin ist mit das Beste, was die deutschsprachige Kleinkunst derzeit zu bieten hat. Ebenenwechsel, Rollenwechsel, Twists: bei Christine Prayon muss man aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren. Im vorherigen Programm zum Beispiel verlas sie die fiktive FAZ-Rezension zu einem Pornofilm des Regisseurs Milos Wanz, in dessen weiblicher Hauptrolle eine Busen-Trixi agierte, gespielt, von Scarlet Schlötzman, dem Bühnen-Alter-Ego Prayons. Kabarett ist tot? Nicht, so lange es Vertreter der Zunft gibt, die solch absurde Geschichten in einen Abend zu packen wissen und die Fähigkeit besitzen, aus Bruchstücken dieser Art eine erzählerische Einheit zu bilden.
Distel 24. 11., 20 Uhr