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Kunst ist berauschend. Und Rausch schafft Kunst.
Dass Alkohol die Sinne öffnet und Raum für Neues schaffen kann, wussten bereits antike Hochkulturen wie die Maya.
Für sie waren alkoholische Tränke kein Genussmittel. Stattdessen handelte es sich um ein heiliges Medium, um Trancezustände zu erreichen und um mit den Göttern zu kommunizieren.
Aus ähnlichen Gründen griffen wohl auch viele berühmte Künstler zum Glas oder zur Flasche. Um in einen Zustand künstlerischer Schaffenskraft zu gelangen. Und um sich von der Muse küssen zu lassen. Immerhin gilt auch sie als göttliche Kraft. Zumindest in der griechischen Mythologie.
Die Tatsache, dass sich Kunstschaffende vergangener Zeiten gern einmal berauschten, ist hinlänglich bekannt. Ob Pollock, van Gogh oder Hemingway – sie alle beließen es meist nicht bei einem einzigen Schlückchen. Stattdessen konsumierten sie Wein, Whisky und Co. oft in rauen Mengen.
Alkohol in vergangenen Jahrhunderten: Schmiermittel für Kreativität und Selbstvertrauen
Alkohol wohnt eine große destruktive Wirkung inne. Das ist längst kein Geheimnis mehr. Bevor er diese jedoch entfaltet, kann er die Gedanken beflügeln. So seien „99 Prozent Whisky und ein Prozent Schweiß“ die chemische Zusammensetzung der dichterischen Inspiration. Das zumindest glaubte der US-amerikanische Schriftsteller William Faulkner.
Auch für andere Künstler war der Alkohol mehr Inspirationsquelle als Genuss. Der deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe etwa trank mit Vorliebe fränkischen Steinwein, um seine Kreativität fließen zu lassen.
Dabei verwundert es nicht, dass vor allem der Rebensaft genutzt wurde, um sich zu berauschen. Sowohl in der deutschen Romantik als auch in der Epoche der Moderne war er gesellschaftlich akzeptiert und leicht zu bekommen.
Für den US-amerikanischen Künstler Jackson Pollock war er gar eine Quelle des Selbstvertrauens. Bereits mit 37 Jahren brachte es der Maler mit seinen außergewöhnlichen Drip-Paintings zu internationalem Ruhm. Damit einher ging der Druck, immer wieder große Kunst abliefern zu müssen.
Aufgrund dieser Belastung kämpfte Pollock nicht nur Zeit seines Lebens mit psychischen Problemen, sondern auch mit einer starken Alkoholabhängigkeit.
Berauschende Freiheit: die Verwirklichung eines Traums
Kunst und Alkoholgenuss gehörten in der Vergangenheit eng zusammen. Zumindest für viele Kunstschaffende. Doch auch heute noch scheint sie ein festes Band miteinander zu verknüpfen.
Nicht umsonst arbeiten zahlreiche Marken mit bekannten oder aufstrebenden Künstlern zusammen. So nutzte etwa der vietnamesische Installationskünstler Duy Anh Nhan Duc den Spitzenchampagner von Louis Roederer als Inspiration für fünf seiner Werke.
Heute soll das Zusammenspiel von Alkohol und Kunst hauptsächlich Eleganz und Finesse ausdrücken. In der Vergangenheit waren es mehr die entfesselten Gefühle, die den Reiz des Rauschs ausmachten. Und diese gestand die Gesellschaft eben nur Musikern, Schriftstellern oder Malern zu.
So gehörten in der Vergangenheit ein paar ausschweifende Anekdoten zu einem attraktiven Künstlerleben dazu. Vornehmlich seit Beginn der Moderne konnte der Kunstschaffende dadurch stellvertretend ausleben, wovon andere Menschen damals nur träumten.
Wer sein Leben im 19. oder 20. Jahrhundert der Kunst verschrieb, trat freiwillig aus dem engen Korsett gesellschaftlicher Erwartungen heraus. Damit begaben sich Künstler aber auch an den Rand der bürgerlichen Gesellschaft. Hier konnten und durften sie all das ausleben, was innerhalb des biederen Bürgertums keinen Raum fand. Und mussten es zuweilen auch, denn der Weg zurück blieb oftmals versperrt.
Eine neue Muse: der Kuss der „grünen Fee“
Wein und Whisky galten lange Zeit als die Lieblingsgetränke all jener, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen wollten.
Der US-amerikanische Pop-Art-Künstler Andy Warhol griff alternativ gern zu einem Wodka. Seiner Begeisterung für seine Lieblingsmarke „Absolut Vodka“ verlieh er 1985 sogar mit einem heute berühmten Siebdruck-Gemälde Ausdruck.
Ein Getränk, das jedoch wie kein anderes mit der Kunstszene in Verbindung steht, ist der Absinth. Um das Jahr 1900 war die sogenannte „grüne Fee“ das favorisierte Genussmittel zahlreicher kreativer Köpfe. Insbesondere in der Pariser Boheme war sie als berauschende Muse bekannt.
Ob Pablo Picasso, Edgar Degas oder Vincent van Gogh – sie alle verfielen dem Reiz der hochprozentigen Kräuterspirituose. Ein Grund für diese innige Liebe: Angeblich soll die „grüne Fee“ halluzinogene Empfindungen hervorgerufen haben.
Um eben diese rankt sich auch heute noch eine der bekanntesten Legenden rund um den niederländischen Maler van Gogh. Dieser soll sich in einem selbstzerstörerischen Rausch das Ohr abgeschnitten haben. Allerdings lässt sich diese umstrittene Episode nicht eindeutig belegen.
Fakt bleibt jedoch: Wo ein kleiner Genuss die Kreativität beflügelt, kann ein großer Rausch die Sinne verwirren.