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La Grande Illusion

Hinter La Grande Illusion verbirgt sich Heiko Badje. Eineinhalb Jahre bastelte der Hamburger an seinen schwelgerischen Songs. Sein klares Credo: Pop braucht Glamour.

citymag: Heiko, stört es dich, wenn man deine Musik „verträumt“ nennt?

Heiko Badje: Überhaupt nicht. Ich bin einfach ein verträumter Typ, nicht gerade der Hektiker. Und das kommt natürlich auch in meiner Musik rüber. Man muss eben nicht immer mit der Pauke umherlaufen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich glaube, dass es für solche Musik einen Markt gibt, den man erschließen kann. Pop will gehört werden, das ist der Anspruch.

citymag: Will dein Pop auch nebenbei gehört werden – beim Bügeln zum Beispiel?

Badje: Gerade beim Bügeln kann man ganz wunderbar den kompliziertesten Alben lauschen. Musik ist eben auch ein Gebrauchsgegenstand, das finde ich okay. Bei mir gab es ohnehin Phasen, in denen habe ich überhaupt keine Musik gehört. Und dann kommt wieder eine Phase, wo ich mich total begeistere. Mit zwölf war ich von allem begeistert, ich entdeckte alles neu, alles war aufregend. Das würde ich gern noch einmal erleben. Vielleicht wenn ich 80 bin …

citymag: Auf deiner Homepage zählst du auf, was du gerne isst: Trüffelpizza und Champagnertorte. Inszenierst du dich als Glamour-Star?

Badje: Popmusik ist Inszenierung. Die Leute wollen unterhalten werden, sie wollen etwas vorgegaukelt bekommen. Roxy Music zum Beispiel sind perfektes Poptheater gewesen, und diese Glamrock-Attitüde versuche ich auch in meiner Musik durchschimmern zu lassen. Im übrigen schmeckt Trüffelpizza super. Und Champagnertorte ist ja nicht elitär, die gibt es in jedem Oma-Café. Auf den Käsekuchen dagegen, der auch in meiner Liste steht, werde ich nie angesprochen.

citymag: Du singst auf Englisch. Funktioniert Glamour nicht auf Deutsch?

Badje: Bestimmt. Aber ich habe mich musikalisch nie als deutsch empfunden. Ich habe auch nur wenige Platten mit deutschen Texten; englische und amerikanische Popmusik war immer mein Ding. Und ich glaube, man hätte diese Platte auch woanders machen können, in Japan oder England. Ich mag es, wenn Musik nicht so ortsbezogen ist. Pop ist eine weltumspannende Sprache.

Interview: Alexander Rolf Meyer