„Lee Cronin’s The Mummy“: Teuflischer Schocker von Blumhouse
Zeit für feinsten Horror: Im Kino startet in dieser Woche „Lee Cronin’s The Mummy“ von Blumhouse Productions mit Jack Reynor und Laia Costa als Eltern, deren vermisste Tochter nach vielen Jahren wieder auftaucht – in einem Sarkophag und lebend.
Vor zehn Jahren wollte Universal Pictures mit dem Dark Universe die alten Horrorfilme der 20er- bis 50er-Jahre wiederaufleben lassen, die Darsteller waren schon ausgewählt: Russell Crowe als Dr. Jekyll und Mr. Hyde, Javier Bardem als Frankensteins Monster, Dwayne Johnson als „Wolf Man“ oder Johnny Depp als „Der Unsichtbare“. Doch nach dem Misserfolg des Dark-Universe-Startschusses „Die Mumie“ mit Tom Cruise 2017 wurde die ganze Sache eingestampft. Und so griff Blumhouse Productions zu: Hollywoods beste Schmiede für günstigen, brillanten und kreativen Horror. „Lee Cronin’s The Mummy“ startet jetzt in den Kinos.
„Lee Cronin’s The Mummy“: Von „Get out“ bis „Halloween“
Ohne Zweifel sind die Männer und Frauen um Firmengründer Jason Blum für die Kino-Highlights des Genres verantwortlich. Die Found-Footage-Reihe „Paranormal Activity“ (2007–2012) schwamm erfolgreich im späten Fahrwasser von „Blair Witch Project“. Die „The Purge“-Filme (2013–2018) waren deutlich gesellschaftskritisch: Eine Nacht lang sind in einer dystopischen USA alle Morde erlaubt – die „Neuen Gründerväter“ haben diese Säuberung zur Reduzierung der Arbeitslosen- und Kriminalitätsraten eingeführt. „Insidious 1–5“ (2010–2023) spielte lustvoll mit dem traditionellen Haunted-House-Motiv. Dazu kam Jordan Peeles Horrorsensation „Get out“ (2017, 255 Millionen Dollar Umsatz bei 4,5 Millionen Dollar Kosten), die Rassismus auf ein ganz neue Weise ins Genre brachte, und auch Peeles Nachfolgefilm „Wir“ (2019). Die nicht totzukriegende Saga „Halloween“ bekam drei weitere Teile (2018/2021/2022), Ethan Hawke lebte seine Vorliebe für Horror in „The Black Phone 1+2“ (2022/2025) aus, und „M3gan 1+2 (2023/2025)“ führte den Horror der künstlichen Intelligenz vor.
Meine Tochter im Sarkophag? Her damit!
Und dann sind da eben noch die klassischen Stoffe, die Universal liegen ließ: Erst kam von Blumhouse „Der Unsichtbare“ (2020) mit Elisabeth Moss („The Testaments: Die Zeuginnen“) , dann der „Wolf Man“ (2025) und nun „Lee Cronin’s The Mummy“. Der Stoff ist bei dem irischen Regisseur gut aufgehoben, hat er doch 2023 mit „Evil Dead rise“ die legendäre „Tanz der Teufel“-Reihe von Sam Raimi erfolgreich fortgeführt. Die Mumie nimmt bei ihm eine spannende Entwicklung: Erst männlich (Boris Karloff, 1930er und Arnold Vosloo, 1999/2001), dann weiblich („Die Mumie“, 2017) ist sie bei Cronin ein Mädchen: Katie (Natalie Grace) taucht acht Jahre nach ihrem Verschwinden bei einem Ausflug in die Wüste wieder auf – mumifiziert in einem 3 000 Jahre alten Sarkophag! Was ist mir ihr passiert? Warum spricht sie nicht? Sollten ihre klauenartigen Fingernägel, ihre schwarzen Lippen, ihre aschfahle, brüchige Haut und ihre krass abgehackten Körperbewegungen nicht eigentlich ein Grund sein, sie in medizinischer Sicherheitsverwahrung zu lassen? Und sollte es zu denken geben, dass es 57 weitere Kinder gibt, die vor ihr auf diese Weise gefunden wurden?
Ihre Eltern (Jack Reynor, „Periphery“, und Laia Costa, „Foodie Love“) nehmen Katie dennoch in die nun wieder fünfköpfige Familie auf – ohne zu ahnen, dass sie damit auch das uralte Böse zu sich holen … Lee Cronin hat die bekannte Geschichte neu interpretiert: Archäologen und Abenteuer kommen nicht vor, stattdessen regiert hier der pure, häusliche Horror mit einigen Ausflügen in die Ferne.