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Tunnelblick

Lemonwood
Lemonwood mit Sänger Justus Maaz (Mitte)Foto: Danny Müller

Lemonwood haben mit Oasis die Musik lieben gelernt. Mittlerweile verfolgt die Band aus Berlin aber andere Ziele, als Rock’n’Roll Stars zu werden.

Justus, der Sound von Lemonwood erinnert mich sehr an Bands wie Oasis und The Stone Roses. Ich unterstelle euch jetzt mal, dass ihr auch diesen Rockstar-Traum verfolgt habt.

Justus Maaz: Ja, das ist komplett richtig. Ich habe tatsächlich schon als Kind damit angefangen. Klar, wenn man Songs schreibt, hat man immer dieses narzisstische Moment, dass man denkt, das gehe auch andere was an. Aber dieser Rockstar-Traum, der kam dann schon mehr mit 13, 14, mit Oasis.

Wie viel von diesem Traum steckt heute noch in Lemonwood?

Maaz: Deutlich weniger als früher. Ich glaube, ich bin realistischer geworden. Früher dachte ich mir, irgendwann spiele ich mal beim Glastonbury Festival. Heute hoffe ich einfach, dass es irgendwann mal ein paar Leuten was bedeutet. Der Traum wäre für mich jetzt, dass ich in großen Städten kleine Klubs vollmachen kann. So viel Größenwahn hab ich noch. (lacht)

Bei dieser Art Rockmusik lässt sich so gut über historische Alben und Werdegänge von Bands fachsimpeln. Wie ist die Vorstellung für dich, dass irgendwann mal Leute sagen, das erste Lemonwood-Album gefällt ihnen immer noch am besten?

Maaz: Der Albumtitel „Home“ hat damit ein bisschen was zu tun. Das Debütalbum von Oasis hieß ja „Definitely maybe“, das war der komplette Anfang. Bei uns war es nun so: Ich habe gefühlt schon zehn Alben geschrieben, aber nie eins fertig gemacht. Das jetzt fühlt sich nicht wie die Band an, die zum ersten Mal ins Studio geht. Das Album ist über Jahre gewachsen. Auch deswegen fand ich den Titel ganz witzig: So könnte jetzt auch das neue Album von Bob Dylan heißen – und für uns ist es der Anfang.

Ist es ein Balanceakt, sich zwischen Popsongs und siebenminütiger Wall of Sound zu positionieren?

Maaz: Nö, das hat sich einfach irgendwann aus unseren Jamsessions ergeben. Mir gefällt dieses Psychedelische, was ja auch an den Krautrock angelehnt ist, dieses Monotone, dieser Flow, dieses Tunnelgefühl. Vielleicht ist der Trick einfach, nur dann einen Song zu schreiben, wenn er eine gute Melodie hat. Dann kann man wahrscheinlich alles damit machen.