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Lena Dunham: Not that kind of Girl

Vielen dürfte Lena Dunham als Hannah Horvath bekannt sein, Protagonistin der US-Fernsehserie „Girls“, deren Schöpferin und Regisseurin Dunham außerdem ist. Während Hannah eher realitätsentfremdet vom Durchbruch als Schriftstellerin träumt, dürfte dieser Dunham selbst gerade bevorstehen – obwohl der Grund, weshalb „Not that kind of Girl“ ein ebenso gutes wie wichtiges Buch ist, nicht in erster Linie ein literarischer ist.

Mit „Girls“ hat Dunham ein Generationenportrait orientierungsloser Großstadt-twentysomethings geschaffen, das von den Erfahrungen seiner Autorin nicht zu trennen ist. Einerseits als treffsicher und realitätsnah gelobt, wurde die Serie von anderen als allzu unverfeinert autobiografisch kritisiert. „Not that kind of Girl“ geht wesentlich weiter und bietet die volle biografische Breitseite – ohne Filter, ohne falsche Namen, ohne Scheu. Dafür aber mit Recht und mit Mehrwert. Denn während bei „Girls“ noch vornehmlich die Unterhaltung im Mittelpunkt steht, hat Dunhams Buchdebüt eine deutliche Stoßrichtung: Ermächtigung.

Dabei ist „Not that kind of Girl“ weder von einem theoretisch aufgearbeiteten Feminismus, noch von einem, der blind um sich schlägt – Dunham ist zugleich direkt und unterschwellig, indem sie ihre persönlichen, auf eher geringem Selbstwertgefühl fußenden Erfahrungen teilt und ihre eigenen Lernfortschritte quasi-retrospektiv festhält. Trotz des Ratgebercharakters, der sich wiederholt in Stichpunktlisten gewonnener Erkenntnisse manifestiert, ist „Not that kind of Girl“ keine Handlungsanleitung. Dunham zeigt auf, wo Fallstricke falsch verstandener Rollenbilder liegen, nennt Arschlöcher Arschlöcher und macht vor allem Mut. Sie ist mitunter urkomisch, mitunter bedrückend, sie offenbart Spleens, Ängste und Fehltritte. Sie bleibt sprachlich unauffällig und arbeitet ohne doppelten Boden – und eben deshalb ist sie eine der wichtigsten weiblichen Stimmen dieser Zeit. (lan)

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