Lernen von den Alten

Rod Stewart hat seine größten Hits mit dem Royal Philharmonic Orchestra eingespielt. Doch auch als Rockstar redet man mit 75 an Liebsten über Krankheiten. Interview: Katja Schwemmers

Mr. Stewart, Ihre Original-Hits im sinfonischen Gewand. Wer braucht das?

Rod Stewart: Keine Ahnung! Mit diesem Album hatte ich kaum etwas zu tun. Es wurde alles für mich gemacht – von meinem Produzenten-Freund Trevor Horn. Ich habe nicht mal den kleinen Finger dafür gerührt!

Haben Sie wenigstens ein schlechtes Gewissen?

Stewart: Nein. Das Ergebnis stimmt ja. Wenn das Royal Philharmonic Orchestra anfängt, meine Lieder zu spielen, werde ich selbst ganz sentimental.

Sie singen den Song „It takes Two“ im Duett mit Robbie Williams. Ein Freund von Ihnen?Stewart: Kein enger Freund, aber er ist ein guter Junge. Wir haben schon einige Male zusammen Fußball gespielt. Und wir sind beide Alphamännchen, wenn es um die Bühne geht. Sie wissen, dass Robbie alles, was er kann, von mir gelernt hat, oder? Kleiner Scherz.

Im Januar werden Sie 75. Wie sehen Sie Ihrem Ehrentag entgegen?

Stewart: Ich mache mir nichts aus Geburtstagen. Dieses Jahr erst recht nicht. Am 7. Januar muss ich ins Krankenhaus – ich bekomme ein neues Knie. Und drei Tage später an meinem Geburtstag komme ich wieder nach Hause. Ich werde im Rollstuhl sitzen.

Das ist übel.

Stewart: Ach nein, es ist okay. Ich habe keine Angst. Ich hatte so viele tolle Jahre, in denen das Fußballspielen ein wichtiger Teil meines Lebens war. Das kaputte Knie ist ein Kollateralschaden, der das wert ist.

Fühlen Sie sich denn wie 75?

Stewart: Ja, verdammt! Was meinen Sie, warum ich mich auf der Bühne immer von vielen hübschen Frauen umgebe? Die halten mich auf den Beinen!

Sie haben zweimal erfolgreich den Krebs bekämpft. Empfinden Sie da jedes Jahr als Bonus-Jahr?

Stewart: Absolut. Das Wort Krebs verbreitet solch einen Schrecken. Es ist sehr schwer in Worte zu fassen, wie man sich als Überlebender fühlt. Mein bester Kumpel Ronnie Wood und ich – wir beiden mussten zur selben Zeit da durch. Und ich stimme mit dem überein, was er sagt.

Nämlich?

Stewart: Jeden Tag freust du dich aufs Aufstehen, willst Spaß haben und das meiste aus dem Tag rausholen. Wir beide fühlen eine große Dankbarkeit gegenüber dem Leben. Wir sind nicht nur gesegnet mit wunderbaren, gesunden Familien und haben tolle Erfolge als Musiker gefeiert. Nun sind wir nach der Krebserkrankung auch noch auf der besseren Seite angekommen.

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