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Liraz im Interview: „Ich will die Mauern des Schweigens durchbrechen“

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© Shai Franco

Die israelisch-persische Sängerin kommt zurück mit einem neuen Album und Konzerten in Deutschland. kulturnews hat mit Liraz gesprochen.

Liraz, deine Herkunft inspiriert und motiviert deine Musik. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Meine Eltern flohen in den 70er Jahren vor der iranischen Revolution nach Israel. Ich habe mich mein Leben lang gefragt: Bin ich Israelin oder Iranerin? Als ich erwachsen wurde, verstand ich, dass ich meiner Herkunft auf den Grund gehen muss, um die Frau zu werden, die ich sein möchte.

Also beschloss ich, meine iranischen Wurzeln zu erforschen und wendete mich der Musik zu. Als ich begriff, dass die Frauen im Iran bis heute, seit der Revolution, stumm sind, habe ich schlagartig verstanden: Die Frauen in meiner Familie waren alle stumm. Und ich auch. Für diese Frauen wollte ich singen: für meine stummen Großmütter, meine stumme Mutter und für mich selbst, um die Mauern des Schweigens zu durchbrechen.

Wie konntest du unter diesen Bedingungen dein neues Album Royaaufnehmen?

Wir haben „Roya“ in einem geheimen Studio in Istanbul aufgenommen, quasi im Untergrund. Das war sehr schwierig, aber wir wollten uns physisch treffen, um Musik zu machen. In unseren Herkunftsländern ging das nicht, aber es musste sein. Wir hatten das Gefühl, dass im Verborgenen etwas Großes für uns und für die Welt entsteht  in einer Atmosphäre voller Liebe und Angst.

„Roya“ bedeutet „Vorstellungskraft“. Was verbindest du damit, und warum hast du „Roya“ als Albumtitel gewählt?

Mein voriges Album „Zan“ wurde ebenfalls heimlich produziert und zwar online. Damals wuchs in mir die Vorstellung, der Traum, die wilde Fantasie, dass es beim nächsten Mal anders sein solle. Aus diesem Gefühl entstand der Titelsong „Roya“. Ich schwor mir selbst, alles in meiner Macht Stehende zu tun, damit mein Traum wahr wird.

In deiner Musik vermischen sich iranische Traditionen. Was kommt da alles zusammen?

Auf meinem neuen Album erklingen iranische Instrumente. Eines davon ist die Tar, die klassische iranische Gitarre, auch Bratsche und Geige werden klassisch iranisch eingesetzt. Ich verwende auch Rahmentrommeln und viele Percussions, die speziell im Iran hergestellt werden. Außerdem inspiriert mich die iranische psychedelische Musik der 70er Jahre, die ich besonders liebe.

Für Menschen, die deine Texte nicht verstehen, klingen die Songs leichter als sie sind. Welche politische Haltung und Hoffnung kommen darin zum Ausdruck?

In meiner Musik teile ich viele Träume und Hoffnungen, dass Freundschaft ohne Grenzen verwirklicht werden kann. Meine Texte sind voller iranischer Metaphern, die auf positive Weise für Freiheit eintreten. Besonders geht es mir um die Freiheit der Frau, damit wir bald ohne Angst zusammenkommen können

„Azizam“ von Liraz