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L’Ora – Worte gegen Waffen: Schreiben, bis die Bombe kommt

Eine kommunistische Tageszeitung in den 1950ernin Süditalien, in der kaum jemand arbeitet und in der fast auschließlich langweilige Berichte erscheinen, die zuvor von Parteisekretären genehmigt wurden und die niemand lesen will: eine solches Parteiorgan geht seinem Ende entgegen. Nicastro als neuer Chefredakteur der Zeitung L’Ora – Worte gegen Waffen soll das verhindern. Doch Nicastro will bereits wenige Wochen nach seinem Umzug von Rom nach Palermo schon wieder aufgeben, denn er verzweifelt an der Mentalität seines Teams und an seinen Fähigkeiten, eine Änderung herbeizuführen. Dabei weiß man in diesen ersten Minuten bereits, dass er es schaffen wird, so gut, dass die Mafia bereits wenige Monate später ein Sprengattentat mit fünf Kilo TNT auf die Verlagsräume verüben wird. Doch wie schafft es die Zeitung zu solchen Ehren? Nun: Nicastro macht aus dem Haufen Schreiberlinge echte Journalisten. Die stellen plötzlich echte Fragen, legen Wert auf inhaltsreiche Antworten und lernen das Recherchieren. Der Cosa Nostra gefällt das überhaupt nicht …

Mit L’Ora – Worte gegen Waffen kommt erneut eine TV-Serie aus Italien, die sich mit der brutalen Mafia-Historie des Landes auseinandersetzt. Diesmal aber kommt der Widerstand gegen das organisierte Verbrechen nicht aus der Staatsanwaltschaft oder von der Polizei – diesmal nimmt es eine Tageszeitung mit der Cosa Nostra auf. Die Geschichte in den 1950er Jahren basiert auf wahren Begebenheiten.

Regisseur Piero Messina hat mit seinen Kameraleuten eindrucksvolle Bilder geschaffen. Kameras, die die Gesichter der Menschen umkreisen, dann durch ein Fenster nach draußen gehen, einmal über die Dächer schwenken und sich auf der anderen Seite wieder senken, kurz: Poetisch anmutende Sequenzen der Kamera und des Schnitts fangen die Stimmung von Handlung, Dialog oder grundsätzlich der Situation ein. Und wenn eine Person ganz plötzlich in den Spurt wechselt, weil sie was entdeckt hat, dann eilt die Kamera in höchstem Tempo hinterher. L’Ora – Worte gegen Waffen ist mehr als eine Thrillerserie aus der Vergangenheit Italiens. Die Serie fängt Atmosphäre ein, steckt trotz des Plots auch voller Humor und zeigt vor allem, wie völlige Entschleunigung auf einen Schlag wechseln kann zu Gewalt, Blut und Terror. jw

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