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Louis Begley: Zeig dich, Mörder

Louis Begleys neuer Held ist ein Ex-Marine, dem in Afghanistan ein Taliban-Heckenschütze die Hüfte zerschossen hat. Wiederhergestellt und zu Hause in Manhatten bei seinem Onkel Harry untergekommen, der für ihn sorgt wie für einen eigenen Sohn, fängt Jack Dana an zu schreiben und etabliert sich als Schriftsteller. Dann erhängt sich Harry, als Jack für drei Monate in der brasilianischen Einöde ohne Telefon und Internet auf einer Rinderfarm verbringt, um sein neues Buch voranzubringen.

Jack glaubt nicht an die These vom Selbstmord, auch nicht, dass Harry, der als Jurist einer angesehenen New Yorker Kanzlei gearbeitet hat, zuletzt an Demenz erkrankt sein soll und deshalb in den Ruhestand geschickt wurde. Und schon gar nicht an die Echtheit des vorgefundenen Abschiedsbriefes. Er macht sich auf die Suche und hat schon bald den wichtigsten Klienten Harrys im Visier, den zwielichtigen Abner Brown, Chef eines multinationalen Konzerns mit großem Einfluss auf erzkonservative Kreise in den USA.

Louis Begleys ersten Krimi durchzieht das Motiv der Blutrache, schon im ersten Absatz sagt uns der Held, dass er Anhänger des Strafrechts für Feiglinge und scheinheilige Weicheier hält. Das soll gar nicht kritisiert werden. Aber: Wie Begley uns Jack präsentiert, den zu Geld gekommenen Ex-Marine, so kann man ihm einfach nicht abnehmen, was er dann tut. Geschrieben ist diese Rachenummer in einer seltsam antiseptischen Sprache, so als ob Begley Charakter wie Motiv selbst fremd seien. Immerhin: Der Roman liest sich schnell, was bei einem Krimi immer ein schöner Zug ist. (jw)

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