FILM

Wenn Werwölfe Rassisten reißen

Wenn rassistische Weiße ihre Treibjagd auf Schwarze abbrechen müssen, weil sie plötzlich selbst – von Werwölfen! – gejagt werden, dann stellt sich die Frage: In wessen Albtraum stecke ich eigentlich gerade? Der Plot stammt von US-Kultautor Matt Ruff, verfilmt haben den gleichnamigen Roman im Auftrag von HBO der Horrorexperte Jordan Peele („Get Out“) und der Action- und SciFi-Regisseur J. J. Abrams.

„Lovecraft Country“ spielt während der Rassegesetze in den 1950ern in Chicago und im äußerst rassistischen Neuengland. Die Helden: durchwegs People of Colour. Ihre Abenteuer: verursacht durch Monster und übernatürliche Ereignisse á la H. P. Lovecraft – ein begnadeter Autor und rassistisches Arschloch. Jetzt darf er mit seinen Ideen Pate stehen für Heldentaten von Schwarzen wie Atticus Black und seine Jugendfreundin Leti Dandridge. Deren alltägliches Problem ist zwar tödlicher Rassismus, aber der Schwerpunkt liegt eben auf „alltäglich“. Heldentaten vollbringen sie, wie in den ersten beiden Folgen der Serie, erst im Kampf gegen Geheimlogen-Intellektuelle, die den Weg zurück ins Paradies suchen.

„Lovecraft Country“ ist mit diesem Ansatz erfrischend offensiv, zumal der hohe Bodycount der Serie ausschließlich über namenlose weiße Opfer abläuft. Die Serie mag in den rassistischen 1950ern spielen, doch die Eingangsfrage bleibt offen: In wessen Albtraum stecken wir hier?

„Lovecraft Country“ ist ab Montag als Stream im Originalton auf Sky Ticket und Sky Q zu sehen. Im linearen Fernsehen zeigt Sky die Serie voraussichtlich erst im November, dann aber alternativ auch in deutscher Sprache.