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Marah

Marah machen Indiefolk – fröhlich rumpelnd, voller Energie. Und ziemlich retro. Nick Hornby ist davon so begeistert, dass er prompt von besten Band der Welt schwärmt. Sänger Dave Bielanko erzählt, wie er mit dem Lob umgeht. Und was er an Hornbys Büchern nicht mag.

citymag: Die meisten Leute in Deutschland kennen Marah nur als die Lieblingsband von Nick Hornby. Dabei macht ihr seit fast 20 Jahren Musik. Stört dich das?

Dave Bielanko: Es ist doch toll von jemandem unterstützt zu werden, der einen großen Namen hat. Und außerdem funktioniert das in beide Richtungen: Leute, die sonst nie ein Buch lesen würden, fangen jetzt vielleicht damit an.

citymag: Wie gefallen dir die Bücher von Hornby?

Dave: Als „High Fidelity“ rauskam, habe ich zum ersten Mal über Literatur diskutiert mit Leuten, von war denen ich eigentlich dachte, dass sie Analphabeten sind. Ich lese ständig Bücher. Aber sie waren völlig erstaunt: Dieses Buch handelt von mir, von mir! Da geht es um die Frage: Bestimmt die Musik mein Leben, oder lebe ich nur wegen der Musik? Eine Menge Leute leben so. Ich selbst auch.

citymag: Fühlst du dich unter Druck gesetzt, wenn Hornby Marah die beste Band der Welt nennt?

Dave: Nein. Als wir ihm unsere neue Platte gaben, da sagte er: Ich mag diesen Song nicht und der Refrain da gefällt mir auch nicht. Und ich sagte: Also dein letztes Kapitel finde ich ja auch ziemlich schwach … Wir haben einen tollen Umgang miteinander.

citymag: Trotzdem habt ihr auf eurer gemeinsamen Tour im letzten Jahr nicht im selben Hotel gewohnt. Hornby ist in einem schicken Laden in der Innenstadt untergebracht worden, ihr in einem ziemlich bescheidenen Hotel am Stadtrand.

Dave: Stimmt. Aber die Leute da waren sehr nett. Und das gehört eben dazu als kleine Band, die durch die Welt tourt. Als mein Bruder ich sechs Jahre alt waren und in unserem Zimmer Luftgitarre gespielt haben, da haben wir uns das natürlich anders vorgestellt. Wenn du Feuerwehrmann werden willst, weisst du eben erst was ein Feuer ist, wenn es um dich herum brennt. Unsere erste Platte kam raus und wurde ganz gut besprochen und auf einmal waren wir auf Tour. Für sechs Monate am Stück. Entweder du liebst dieses Leben oder du hörst auf. Viele hören auf.

citymag: Wie oft hast du ans Aufhören gedacht?

Dave: Allein heute drei Mal. So eine Tour bedeutet Wahnsinn, Chaos, Entwurzelung. Du gehst auf die Bühne, verzweifelt. Und dann spielst du die ersten drei Songs und die Nacht ist gerettet. Und darum geht es: Um die Band, um Energie, um Gefühl. Um fünf Idioten, die in einem Raum lärmen und es irgendwie doch auf die Reihe kriegen.

Interview: Alexander Rolf Meyer