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Mari Boine

Musikalische Berührungsängste kennt die 42jährige Samin nicht: Sie hört Massive Attack und Herbert Grönemeyer, spielte für Peter Gabriels „One World – One Voice“-Projekt und mit dem Saxofonisten Jan Garbarek. Die zehn Songs auf ihrer aktuellen CD „Room Of Worship“ (Motor Music) entführen den Zuhörer auf eine magische Reise zu den eigenen Gefühlen.

KULTUR!NEWS: Mari, wie reagierst du, wenn man dich als „moderne Schamanin“ bezeichnet?

Mari Boine (lacht): Ich sehe mich nicht als Schamanin, dazu habe ich zu großen Respekt vor den Schamanen und ihrer Tradition. In meiner Musik gibt es nur viele schamanische Elemente.

K!N: Wie haben dich Lappland und seine Geschichte geprägt?

Boine: Wenn du aus einer Kultur kommst, die unterdrückt und kolonialisiert wurde, hast du das Gefühl, ein Nichts zu sein. Die Unterdrücker zerstören deine Identität. Das hinterläßt Wunden, die bei mir durch die Musik geheilt wurden. Ich war lange sehr schüchtern, ich schämte mich für das, was ich war. Bei einem Lehrer-Seminar begann ich, darüber zu schreiben. Ich war 24 Jahre alt und entdeckte, daß ich diese Stimme habe.

K!N: Eine wunderbare Stimme – wie trainierst du sie?

Boine: Eigentlich gar nicht, ich habe mal zwei Wochenendkurse mitgemacht. Aber in mir und meinem Volk sind so viele Gefühle, die einfach irgend jemand ausdrücken muß.

K!N: Du singst von der Natur und wie wir damit umgehen sollten …

Boine: Ja, weil ich glaube, daß es besonders in den Kulturen, die eng mit der Natur verbunden sind, eine Weisheit gibt, auf die wir aufpassen müssen. Und ich möchte die Menschen daran erinnern, daß sie ein Herz haben. Ich habe Angst vor einer maschinellen, rationalen Welt.

K!N: Was würdest du für deine Söhne in der heutigen Welt gerne verändern?

Boine: Ich möchte sie vor Materialismus und Kälte beschützen und sie lehren, ältere Menschen zu schätzen.

K!N: Hast du ein Traumprojekt?

Boine: Fröhliche, wilde Musik. Und – eine Stand-up-Komödiantin zu werden …

Interview: Bärbel Pfannerer