Marillion

Marillion? Marillion? Das war doch Anfang der 80er, ProgRock, Bombast und so. Stimmt. Die Jungs spielen immer noch, ohne Furcht vor Trends, Erwartungen oder „Anoraks“, zu deutsch verschrobenen Eigenbrötler mit einem speziellen Lieblingskleidungsstück, die Züge zählen und mit dem Computer plaudern. Und Marillion mögen. City.mag sprach mit Frontman Steve Hogarth.

city.mag: Steve, um Marillion war es in den letzten Jahren ja eher still …

Hogarth: Aber ganz und gar nicht! Wir haben unseren Fans die ganze Zeit über gute Alben und Konzerte geliefert.

city.mag: Die haben es euch auch gedankt …

Hogarth: Stimmt. Unsere US-Tour `97 konnten wir nur durchziehen, weil dafür übers Internet spontan Geld gesammelt wurde.

city.mag: Diesmal habt ihr sogar einen noch spektakuläreren Coup gelandet. Anoraknopobia wurde ja sogar von den Fans vorfinanziert.

Hogarth: Die erste Erfahrung `97 hat mich ermutigt, einfach mal mit unserem riesigen E-Mail-Verteiler nachzufragen, wer denn bereit wäre, unsere neueste Produktion vorab zu kaufen.

city.mag: Das haben vor Euch ja schon andere versucht, aber nicht mit einem so durchschlagenden Erfolg.

Hogarth: Es war wie Hexerei. Wir hatten noch keinen einzigen Song, aber die Leute mailten zurück, klar, wir nehmen eine, zwei, schickt mir gleich hundert! So konnten wir ganz unabhängig von einem Label produzieren, in völliger künstlerischer Freiheit. Danach sind wir dann zu EMI und haben natürlich auch ganz relaxed verhandeln können.

city.mag: Wie seid ihr mit dieser künstlerischen Freiheit umgegangen?

Hogarth: Naja, eigentlich ähnlich wie sonst auch. Ich habe Texte mitgebracht und die Jungs jammten dazu. Täglich, stundenlang. Und einmal die Woche haben wir uns das dann angehört – das war das Härteste – und rausgesiebt, wo was Besonderes passiert.

city.mag: Vom Stil her ist es unverkennbar Marillion, wenn auch mit zeitgemäßen Einsprengseln, mal episch breit, mal funky. Gibt´s denn vom Text her einen verbindenden Bogen?

Hogarth: Es sind schon eher acht unabhängige Songs, aber z.B. „When I Meet God“ und „This Is The 21st Century“ haben schon eine innere Beziehung. Ich denke, wir haben uns damit beschäftigt, welchen Platz jeder in seinem Kosmos einnimmt, und wie wir unser Leben ändern müssen.

city.mag: Künstlerisch heißt das für Euch …?

Hogarth: Wir machen nur die Musik, die uns gefällt, egal welcher Stil oder welche Trends gerade angesagt sind. Ich verbiege mich nicht.

city.mag: Obwohl Eure Fans das honorieren, und ihr sie ja gerade übers Netz erreicht, heißt Eure neue Scheibe „Anoraknophobia“ – die Angst vor Computer-Nerds.

Hogarth: Nein, nein, im Gegenteil. Lies: Anorak-No-Phobia. Keine Angst vor Anoraks. Es gibt den Trainspotter in uns allen.

Gabi Sabo

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