Marius Goldhorn gewinnt Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026
Nach der Shortlist-Lesung in den Münchner Kammerspielen hat die Jury entschieden: Der mit 20.000 Euro dotierte Preis geht an „Die Prozesse“ von Marius Goldhorn
Der Literaturpreis der deutschen Wirtschaft 2026 geht an Marius Goldhorn mit seinem Roman „Die Prozesse“. Marius Goldhorn ist mit seiner Near-Future-Dystopie ein vielgestaltiger Gesellschaftsroman für das 21. Jahrhundert gelungen. In reduzierter, zugleich poetisch verschlüsselter Sprache entwirft Goldhorn eine Welt, in der digitale Realitäten, Klimawandel, politische Kämpfe um Umverteilung und koloniale Wiedergutmachung ineinanderfließen. Vor dieser Kulisse erzählt Goldhorn in lakonischer Introspektive eine queere Liebesbeziehung. So entsteht ein Roman von komplexer Erzählkunst, der persönliche Beziehungen und globale Umbrüche ineinander verschränkt und seine Leser:innen mit großer atmosphärischer Dichte in den Bann zieht.
Der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft vergibt seit 1953 im Förderbereich Literatur Preise an herausragende junge Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. In diesem Jahr standen neben Marius Goldhorn auch Nina Bußmann und Ozan Zakariya Keskinkılıç auf der Shortlist des mit 20.000 Euro dotierten Literaturpreises der deutschen Wirtschaft.
Die Begründung der Jury
Mit Marius Goldhorn prämieren wir einen Schriftsteller, der sich mit großer literarischer Kühnheit ein Europa der nahen Zukunft kartographiert. Sein zweiter Roman „Die Prozesse“ ist im Brüssel des Jahres 2030 angesiedelt. Die neue Hauptstadt eines vereinigten Europas wird zum Schauplatz eines am Gedenken an die Kolonie Kongo entzündeten Aufstands, in großen Teilen Italiens ist bereits das Dengue-Fieber ausgebrochen. Ein Weltkrieg, der den Kontinent wie nebenbei überzogen hat, gerät fast zur Nebensache. Wie hineingeworfen in diese höchst komplexen Zeitläufe sind der Ich-Erzähler T., ein 3D-Designer, und der Schriftsteller Ezra, ein Liebespaar. Weil Ezra durch eine seltene Hautkrankheit dem sicheren Tod geweiht ist, wiederholt sich die endzeitliche Globalkonstellation hier auf der Ebene einer elegischen Liebesgeschichte.
Goldhorns präzise Prosa bringt Innenwelt und Außenwelt seiner Figuren in einen Fluss historischer Kausalitäten. Und weil die Wirklichkeit, von der dieser Roman zu erzählen verspricht, mit dem zweiten Schauplatz der virtuellen Welt eines Cyberspace konkurriert, verlängern „Die Prozesse“ auch diesen Technologie-Traum unserer Gegenwart in die Zukunft.
Marius Goldhorn wurde 1991 in Lahnstein geboren und ist Autor des Romans „Park“ (Suhrkamp Verlag) und des Gedichtbandes „Yin“ (Korbinian Verlag). Seine Erzählungen und Essays wurden in mehrere Sprachen übersetzt. 2025 erschien sein zweiter Roman „Die Prozesse“ bei Kiepenheuer & Witsch.
Über den Literaturpreis der deutsch Wirtschaft
Seit 1953 zeichnet der Kulturkreis der deutschen Wirtschaft herausragende Talente der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur aus. Der gattungsübergreifende Literaturpreis der deutschen Wirtschaft ist mit 20.000 Euro dotiert und wird jährlich an Autor:innen bis zu 45 Jahren verliehen, deren Werke durch hohe literarische Qualität überzeugen. Zu den Preisträger:innen, die der Kulturkreis schon frühzeitig gefördert hat, zählen Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Günter Grass, Nelly Sachs, Marie Luise Kaschnitz, Elias Canetti, Robert Menasse, Daniel Kehlmann, Clemens J. Setz, Nino Haratischwili und Dorothee Elmiger.
Hier geht es zu unserer Besprechung von „Die Prozesse“