Spezial

Martin Krüger startet mit dem Pageturner „Waldeskälte“ eine neue Thriller-Serie

Die 35-Jährige Valeria Ravelli hat Karriere gemacht: Als Leutnant bei Interpol kämpft sie mit der Sondereinheit 11 gegen das organisierte Verbrechen. Vor allem hat sie es auf Salvatore Guscino abgesehen, den Kopf des ‚Ndrangheta-Clans, dem nicht nur Menschenhandel, Prostitution, Drogendelikte und Giftmüllentsorgung vorgeworfen werden, sondern der auch für den Tod ihres neun Jahre älteren Bruders verantwortlich ist. Doch als Ravelli in Zürich weilt, um bei einer Konferenz mit internationalen Kolleg:innen über ein gemeinsames Vorgehen zu beraten, tut sich plötzlich ein ganz anderer Fall auf, der die Ermittlerin mit ihrer Vergangenheit konfrontiert: Nachdem sie 21 Jahre nichts mehr von ihrem alten Jugendfreund Elias Mattei gehört hatte, meldet er sich urplötzlich mit einem nächtlichen Anruf, um ihr von dem Verschwinden seiner 14-jährigen Nichte Nora zu erzählen.

Mattei fleht Ravelli an, in ihr altes Heimatdorf in den Schweizer Alpen zurückzukehren und den Ermittlern bei der Suche nach dem verschwundenen Mädchen zu helfen. Denn es gibt viele Parallelen zu einem Verbrechen, das das Dorf vor 21 Jahren erschüttert hat: Damals waren drei vierzehnjährige Mädchen in den Wäldern von Eigerstal verschwunden, und zwei von ihnen wurde bestialisch ermordet. Wie damals hat man nun bei dem Verschwinden von Nora nicht nur auf einer Lichtung einen toten Hirsch gefunden, sondern auch dieses unheimliche, mit Blut gemalten Zeichen auf einem Felsen: einen gehörnten Steinbock. Nachdem Ravelli alles getan hat, um die Vergangenheit zu vergessen, kehrt sie an den Ort zurück, an dem ihre beiden besten Freundinnen gestorben sind und an dem sie als 14-Jährige drei Tage lang durch den dunklen Wald geirrt und dem Mörder nur knapp entkommen ist. Um Nora zu finden, muss Ravelli sich endlich erinnern, was damals vor 21 Jahren geschehen ist …

Triff eine Entscheidung, Val. Du kannst nicht dein ganzes Leben weiter davonlaufen. Du wusstest, eines Tages wirst du dich alldem stellen müssen.

Weil es nie vorbei war.

Nie. Und du hast es immer gewusst.

(aus: „Waldeskälte“)

Mit seiner mittlerweile vier Bände umfassenden Serie um das so unterschiedliche Ermittlerduo Winter und Parkov wurde der 35-jährige Martin Krüger zum Bestsellerautor. Wenn er nun mit Valeria Ravelli eine neue Reihe startet, gönnt er sich den Spaß und gewährt Parkov am Anfang des Romans einen Gastauftritt: Der Mitarbeiter des LKA Wiesbaden hört sich in Zürich Ravellis Vortag über das organisierte Verbrechen und Salvatore Guscini an.

Tannen standen in Reihe hinter dem aus dunklen Holzbalken gezimmerten Chalet. Die weit ausladenden Äste überragten das Dach, das mit moosüberwucherten Ziegeln gedeckt war. Tannenzapfen lagen auf dem vom Regen aufgeweichten Boden. Der Geruch von Moder wehte aus dem nahen Wald heran. Valeria blickte hinüber. Im Unterholz, zwischen den Stämmen, lauerte Dunkelheit und Nebel, und für einen Moment war sie überzeugt, dass sich dort etwas bewegt hatte, eine haarige Hand, die einen der Äste beiseiteschob. Sie dachte an ihren Albtraum und ballte die Faust.

(aus: „Waldeskälte“)

„Waldeskälte“ zeichnet all das aus, was die Fans an Martin Krüger lieben: Auf blutrünstige Detais kann er verzichten, denn bei ihm funktioniert der Horror über das Ungewisse und die Vorstellungswelten der Lesenden. Krüger spickt den ungemein spannenden Plot mit unvorhersehbaren Wendungen, und mit atmosphärisch dichten Beschreibungen lockt er die Leser:innen immer tiefer in die bedrohlichen Alpenwälder. Vor allem aber zeichnet er detaillierte Psychogramme seiner Hauptfiguren – und so folgt hoffentlich schon ganz bald ein zweiter Fall für Valeria Ravelli.

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