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Metric: Flucht nach vorn

Bandfoto Metric
Foto: Justin Broadbent

Mit ihrem neuen Album „Formentera“ stellen sie sich dem Sturm. Doch zugleich suchen Metric auch nach Zufluchtsorten – in der Fantasie und im wirklichen Leben.

Emily, handelt der Song „I will never settle“ davon, dass du dich langsam niederlassen und es – als Mitglied von Metric und Broken Social Scene sowie mit einer Solokarriere – perspektivisch etwas entspannter angehen willst?

Emily Haines: Nein, nein, Entspannung steht momentan auf meiner To-do-Liste nicht weit oben. Wir hätten den Song besser „I will settle for less“ nennen sollen, denn darum geht es: sich nicht zufriedengeben, sich nicht abspeisen lassen, sein Ding nach seinen Vorstellungen durchziehen. Aber wenn es einen Ort gibt, an dem ich zur Ruhe komme, dann ist das mein Hüttchen im Wald.

Dein Hüttchen im Wald?

Haines: Ja, das habe ich schon seit 2018, bevor der ganze Wahnsinn begonnen hat. Die Hütte ist nicht sehr weit weg von Toronto, aber trotzdem in einer eigenen Welt. Ich habe mein eigenes Wasser und viele Bäume drumherum. Es ist der ideale Zufluchtsort, wenn alles noch schlimmer den Bach runtergeht. Auch James und seine Frau leben in der Nähe, und er hat bei sich auch ein Studio, wo wir die neue Platte aufgenommen haben.

Trotzdem heißt die nicht „Wald bei Toronto“, sondern „Formentera“.

Haines: Formentera war unser Fluchtort in der Fantasie. In den letzten Jahren haben wir oft gedacht: Mensch, wenn wir dort wären, hätten wir jetzt keine Probleme. Ich weiß natürlich nicht, ob das so gestimmt hätte. Unsere Strategie gegen die Krisen war dann auch nicht Weglaufen, sondern sich in den Sturm stellen, brüllen und den Frust und die Angst in Musik verwandeln. Aber Formentera ist schon eine tolle Insel.

Ich kenne nur die größeren drei Balearen-Inseln. Was macht Formentera so besonders?

Haines: Sie ist so unverfälscht. Als wir dort waren, hatte der einzige Club der Insel geschlossen. Es ist eine totale Idylle mit einer recht hohen Anzahl an jungen und alten Hippies. Ich hatte das Gefühl, die komplette Schönheit des Planeten Erde ist auf dieser Insel im Kleinformat abgebildet.

Der Song „Doomscroller“ klingt allerdings weniger nach Schönheit. Das ist ja ein zehneinhalbminütiges Rave-Brett.

Haines: Anfangs war die Nummer fünfzehn Minuten lang, wir haben schon kräftig gekürzt (lacht). Am Anfang waren da die Piano-Passagen, dann kam die Synthie-Sektion hinzu, und am Ende eben auch diese brachial hymnische Rockgitarre. Alles in allem soll dieser emotional komplexe Ritt von einem Song unseren Weg aus der Misere hin zu einem Zustand der Lust, der Freude und der Euphorie widerspiegeln.

Kann man sagen, dass ihr mit „Formentera“ wieder stärker zu euren Dance- und Keyboardwurzeln zurückgefunden habt?

Haines: Ha, das ist superinteressant! Hier gehen die Meinungen spektakulär auseinander. Die einen sagen: Ihr seid jetzt noch rockiger“. Die anderen meinen: Ihr macht wieder mehr Dance. Das Geile daran ist, dass beides irgendwie stimmt. Wir haben „Formentera“ einfach bis über den Rand mit all dem gefüllt, was wir lieben.

 

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