KULTUR

Mittelreich: Münchner Kammerspiele

Kaum jemand verkörpert intellektuell-widerständiges Bayerntum so gut wie Josef Bierbichler, entsprechend ist es schade, dass man den Großschauspieler nur noch selten auf Bühnen sieht, sondern häufiger in Film- und Fernsehfilmen von schwankender Qualität. Aber Bierbichler pflegt seit vier Jahren neben dem Schauspiel auch noch die Schriftstellerei, seinem autobiografisch grundierten Debütroman attestierte die kulturnews damals „eine ganz eigene Sprache, die mehr dumpfes Brüten ist als strukturiertes Beschreiben. (…) Dunkel. Schwer. Groß.“

Dass die Münchner Kammerspiele „Mittelreich“ jetzt fürs Theater adaptieren, wirkt wie eine Rückbesinnung auf das bayerische Theater, das bei den Eröffnungspremieren von Matthias Lilienthals Intendanz vorigen Monat noch ziemlich unter einem urban-globalen Anspruch verschüttet wirkte, aber Vorsicht: Der Stoff ist das eine, die Inszenierung das andere. Die übernimmt bei „Mittelreich“ die gebürtige Nordhessin Anna-Sophie Mahler, und die ist im Gegensatz zu Bierbichler keine sichere Bank, sondern eine Newcomerin im Sprechtheater, die bislang vor allem mit experimentellen Formen in der Oper auf sich aufmerksam machte, beeinflusst von Dokumentartheater und Postdramatik. Für querköpfige Inhalte, wie sie Bierbichler vertritt, nicht die schlechteste Entscheidung.

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