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Mondparsival Beta 9–23: Haus der Berliner Festspiele, Berlin

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(Abb.: © Jan Bauer, Courtesy of Jonathan Meese)

Gotteslästerung! Größenwahn! Jonathan Meese inszeniert Richard Wagner!

Konservative Opernfreunde schlagen die Hände überm Kopf zusammen: Jonathan Meese inszeniert Wagner! Jonathan Meese, Bildender Künstler mit Hang zum Wagnerschen Kunsttotalitarismus, Meese, dessen Kunst sich von Jahr zu Jahr mehr dem Theater annähert, Meese, der eigentlich schon 2016 bei den Bayreuther Festspielen „Parsifal“ auf die Bühne hätte bringen sollen, dem dann aber wegen Nichteinhalten des Budgets gekündigt wurde, Meese, der sich daraufhin in einem „Parsifal Manifest“ selbst als legitimer Erbe Richard Wagners bezeichnete. Gotteslästerung! Größenwahn!

Aber Vorsicht: Das Stück, das den Untertitel „Von einem, der auszog den ,Wagnerianern des Grauens‘ das ,Geilstruseln‘ zu erzlehren …“ trägt (sowohl Titel als auch Untertitel im Original FETTGESCHRIEBEN und mit allen zitierten Kommafehlern), ist nicht nur ein verwerfliches Trivialisieren des Ursprungswerks, es ist auch eine neue Oper des Komponisten Bernhard Lang, der sich vor Wagner verbeugt, indem er den Stoff in die Zukunft verlegt.

Die musikalische Leitung schließlich übernimmt Simone Young, und die kennt man noch aus ihrer Zeit als Hamburger Opernintendantin als kluge Konservative. Was die Verhältnisse jedenfalls zum Tanzen bringt – und genau das passiert immer dann, wenn Meese wirklich gut ist.

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