MUSIK

Fünf Musikstorys, die beweisen, dass Ostern cooler als Weihnachten ist

Osterpost
Weihnachtssongs gibt es wie Sand am mehr, aber die Musik, die sich um Ostern dreht, ist wesentlich interessanter.Foto: Pixabay

Im Gegensatz zu Weihnachten hat Ostern meist das Nachsehen, was Musik mit Feiertagsbezug angeht. Dabei sollte man meinen, dass der Tod und die Wiederauferstehung Jesu Christi mindestens genauso kulturell relevant seien wie dessen Geburt. Denkste: Wo sich die Weihnachtssongs haushoch stapeln („White Christmas“, „Happy Holidays“, „All I want for Christmas is you“) sieht es bei Ostersongs schlecht aus. Oder können sie Musik benennen, die sich mit Ostern beschäftigt?

Was allerdings nicht heißt, dass Ostern in der Musik ganz und gar irrelevant ist. In der Geschichte der Popmusik tauchen die Feiertage schon das ein oder andere Mal auf. Wir haben für euch fünf Stories aus Pop, Rock und HipHop zusammengestellt, die mit Ostern zu tun haben – und die beweisen, dass Quantität nicht alles ist.

Wham!: „Last Easter“?

Es ist wohl der Tatsache geschuldet, dass Ostern in der Musikgeschichte so dünn besetzt ist, dass wir uns für den Anfang unserer Liste auf ein Gerücht verlassen müssen. Seit Jahren hält sich die Mär davon, dass George Michael den Weihnachtshit von Wham! „Last Christmas“ auf den letzten Drücker umgeschrieben hat. Kurioserweise finden sich „Quellen“ für dieses Gerücht nur in Deutschland.

Das Management verlangte demnach angeblich einen Weihnachtssong von der Band, und Michael dichtete dazu kurzerhand einen Song namens „Last Easter“ zu „Last Christmas“ um. Weder Wham!s Label Sony noch George Michael selbst haben dieses Gerücht je bestätigt. Aber in Anbetracht der Ungleichheit zwischen Oster- und Weihnachtssongs singen wir in der Karaoke-Bar in Zukunft „Last Easter“.

Patti Smith: Easter

Von der Seltenheit von Osterliedern zeugt auch, dass wir bei der Recherche unserer Liste leider nicht auf einige Selbstgänger verzichten konnten. Klar, Patti Smiths Monumental-Album „Easter“ ist in etwa so überraschend auf einer Liste mit Ostermusik wie „Last Christmas“ auf einer Weihnachtsliste. Und trotzdem ist es leicht zu vergessen, wie prägend die christliche Religion für das Album gewesen ist.

Auch jenseits des Titeltracks „Easter“ wimmelt es auf dem Album nur so vor religiösen Allegorien: Die Lyrics zu „Privilege (Set me free)“ adaptieren den Psalm 23, unter den Credits ist ein von Hand gemaltes Kreuz zu sehen, und in den Liner Notes zum Album wird ebenfalls aus der Bibel zitiert. Da heißt es nach 2 Timotheus 4:7: „I have fought a good fight, I have finished my course“, zu Deutsch etwa „Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten.“

Easter: Das deutsch-norwegische Elektropopduo

Eins hat Ostern Weihnachten in der Musikwelt voraus: Die Osterfeiertage haben einen Act, der sich tatsächlich nach ihnen benannt hat. Einen erfolgreichen sogar, denn das deutsch-norwegische Elektropopduo Easter ist bereits seit 2005 aktiv, und hat in der Zeit stolze sechs Alben veröffentlicht. Das letzte unter dem Titel „She is warm“ ist 2019 erschienen.

Und noch etwas hat dieser Osterzusammenhang der weihnachtlichen Musik voraus: Inhaltlich geht es in den Songs von Eastern nie um Ostern. Stattdessen widmet sich das Duo in seiner Musik vor allem Themen wie Sexualität und Hedonismus – oder es geht um „Schlechte Laune“. Und wenn wir ganz ehrlich sind, gefällt uns das gegenüber der meist frömmelnden und gutgelaunten Weihnachtsmusik wesentlich besser.

The 13th Floor Elevator: Mit Osterbezug den Psychedelic Rock erfinden

So langsam zeichnet sich ein Bild ab: Wenn Weihnachten für Pop und Mainstreamerfolg steht, ist Ostern vielleicht so etwas wie das coole Indie-Pendant dazu. Mit Patti Smith und Easter sind die Feiertage jedenfalls aus Kritiker*innenperspektive schon mal in bester Gesellschaft. Zur Indie-Credibility zählt auch, dass die texanischen Psych-Pioniere The 13th Floor Elevators ihr zweites, genredefinierendes Album „Easter Everywhere“ getauft haben.

Osterbezug hat darauf eigentlich auch keiner der Songs. Stattdessen geht es eher um die für den Psych Rock der 60er-Jahre typischen Themen wie „She lives (In a Time of her own)“ oder „I’ve got Levitation“. Einzige Ausnahme ist der finale Song – je nachdem, wie blasphemisch man gestimmt ist. Fakt ist, dass „Postures“ mit dem quintessenziell psychedelischen Untertitel „Leave your Body behind“ auch die beste Vorlage für einen Wiederauferstehungskalauer bietet.

Taktloss: Prophezeiung eines Albums nach 17 Jahren

Unsere liebste Ostergeschichte kommt jedoch aus der Welt des HipHop. Der Berliner Rapper Taktloss hat im Jahr 2000 auf dem Song „Ich bin nicht weniger als du dir wünschst zu sein“ ein neues Album seines Alter Egos Real Geizt angekündigt – für Ostern, und zwar 17 Jahre später.

Zu hören ist der Song auf dem Album „BRP 4 Life“. Darin heißt es: „Yeah, das ist Real Geizt. Sein erstes Album heißt wie Norman Bates, es erschien am 24. Dezember 1999 auf Rumhäng Rekordz. Sein zweites Album hat noch keinen Namen und wird 2017 erscheinen, äh, zu Ostern, Bitch!“ Und Tatsache: 17 Jahre später ist das Album mit dem adäquaten Titel „Wie prophezeit“ dann auch erschienen. So etwas soll Weihnachten erst einmal bringen.

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