Nach der verlorenen Zeit

Jack Peñate stand kurz vor dem Durchbruch – doch dann ist er erst mal für zehn Jahre verschwunden. Interview: Jonah Lara

Jack, du hast diese Frage mittlerweile bestimmt satt, aber wir müssen sie trotzdem stellen: Was ging die letzten zehn Jahre? Wo warst du?

Jack Peñate: Ja, ich weiß. Bloody hell… (lacht) Diese Frage wurde mir in der Tat schon oft gestellt, und es stimmt, wenn ich sage, dass ich vor allem gearbeitet habe. Ich bin auch viel gereist, aber die meiste Zeit über habe ich Studios gebaut, geübt, das Produzieren gelernt und viele Kollaborationen gemacht. Ich habe die Musik ohne den „Job“-Teil genossen. Zwar wollte ich ein Album machen, aber ich habe keinerlei Druck verspürt – und dann war es auf einmal da.

Wieso war es dir so wichtig, das Produzieren zu lernen? Wolltest du unabhängiger sein?

Peñate: Mich inspirieren Musiker, die so arbeiten: Todd Rundgren, Arthur Russell, Prince, Nick Drake. Ich bin vor allem ihretwegen ein Solokünstler. Immer wieder muss ich an diese Stelle auf Todd Rundgrens „Something/anything“ denken: ein Interlude, auf dem er die verschiedenen Sounds vorstellt, die er im Studio erzeugen kann. Ich wollte auch alleine in einem Studio sitzen können und mich ausprobieren. Nicht, dass ich den Input anderer nicht bereichernd finde, aber zu wissen, dass es auch im Alleingang möglich ist, hat mir eine Selbstsicherheit gegeben, die ich vorher nicht hatte.

Dein neues Album „After you“ klingt nicht so, als hätte es vor zehn Jahren rauskommen können. Wie hast du diesen Sound gefunden?

Peñate: Ich habe viel herumprobiert. Und es ist ja ein Unterschied: Es sind zwar zehn Jahre seit meinem letzten Album vergangen, aber „After you“ ist zum größten Teil in den letzten zwei Jahren entstanden. Mir ist sehr bewusst, was gerade in der Musik passiert.

Gibt es etwas aus den letzten Jahren, das dich inspiriert hat?

Peñate: Musik ist viel homogener geworden – aber ohne jegliche Uniformität: Travis Scott arbeitet mit Tame Impala, Kendrick Lamar samplet Beach House. Diese Überschneidungen finde ich wundervoll. Konkret hat mich für ein paar Tracks auf „After you“ die Sprachrhythmik und die Lyrik von HipHop und Rap inspiriert, aber viel mehr haben mich zum Beispiel Gospel aus den 70ern und iranische Psychedelia beeinflusst. Ich finde, das Schönste an Musik ist, dass sie zeitlos klingen kann. Von daher finde ich schon, dass „After you“ vor zehn Jahren rausgekommen sein könnte, aber dann von jemandem, der seiner Zeit voraus war – oder in 30 Jahren von jemandem, der zurückgeblickt hat.

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