„Nachbeben“: Das Regiedebüt des Jahres
Im fulminanten dänischen Film „Nachbeben“ muss sich eine überarbeitete Ärztin einem tödlichen Fehler stellen: Ein Patient stirbt. Regisseurin Zinnini Elkington liefert einen grandiosen Erstling.
Die Ärztin Alex (Özlem Saglanmak) arbeitet als Neurologin im Krankenhaus. Wie sich der alltägliche Wahnsinn in einer chronisch unterbesetzten und überlasteten Station abspielt, zeigen die fulminanten ersten 20 Minuten praktisch in Echtzeit. Dauernd klingeln Telefone und Pager piepen; eine ältere Dame, die einen Schlaganfall erlitten hat, braucht sofort ein MRT; der junge Mann Oliver, den seine Mutter (Trine Dyrholm, „The danish Woman“) begleitet, klagt über Kopfweh und einen steifen Nacken – alles passiert gleichzeitig, und in dieser Hektik begeht die sonst so supergründliche Alex einen verhängnisvollen Fehler. Kaum hat sie Oliver als gesund nach Hause entlassen, bricht er noch auf dem Krankenhausflur zusammen – eine Hirnblutung. Er fällt ins Koma und erleidet den Hirntod. Jetzt muss sich Alex nicht nur den verzweifelten Eltern, ihren Vorgesetzten und Kollegen, sondern auch ihren eigenen Schuldgefühlen stellen …
Aus einem großartigen Ensemble ragen Özlem Saglanmak („Borgen – Gefährliche Seilschaften“) und Trine Dyrholm als zwei Frauen heraus, deren Welten plötzlich zusammenbrechen. Die Regisseurin Zinnini Elkington erweist sich mit ihrem Langfilm-Debüt als Riesentalent, die ein Alltagsdrama mit tiefgründigen Fragen auflädt, aber nie überfüllt.