No Underground

Bei ihnen kriegt der Konzertbesucher noch was fürs Geld. Unter vier Stunden dauert keine ihrer allwöchentlichen Live-Shows.

Man könnte meinen, sie arbeiten an einem Eintrag in Guiness-Buch der Weltrekorde. Nicht nur, daß sie artig jeden Mittwoch das Maria am Ostbahnhof zur Pilgerstätte für tanzwütige Trash Pop- und Easy-Listening-Anhänger machen. Wenn Robert Defcon und Dr. Phelbs alias No Underground schon mal an den Instrumenten sitzen, kriegt sie da so schnell auch keiner mehr weg. „Solange die Leute tanzen, hört man einfach nicht auf“, sagt Dr. Phelbs und begeistert sich an diesem tranceartigen Zustand, in den sich die beiden samt ihrer Gastmusiker hineinspielen.

Möglich sind die Marathon-Gigs vor allem, weil No Underground live die eigenen Songs lediglich als Ausgangsmaterial für ausgiebige Improvisationen nutzt. „Wer zu uns kommt, weiß nie genau, was ihn erwartet“, erklärt Dr. Phlebs. „Wir spielen nie zweimal das selbe. Das ist wie beim Doppelkopf-Spiel. Das Konzept ist klar, aber jedes Partie ist anders.“

Seit zwei Jahren bastelten der 27jährige Dr. Phelbs (einst Student der Arabistik und Germanistik und nunmehr hauptberuflich Arbeiter bei einem Abrißunternehmen) und Robert Defcon (ein in Berlin aufgewachsener Amerikaner und seit kurzem am Ende seines Philosophiestudiums) an ihrem Debütalbum „Free Transform“ (Vielklang). Selbstbewußter Pop mit vielen Funkelementen, voll elektronischer Spielereien wummernden Beats und postmoderne Schunkelmelodien – ideal für die Happy Hours in den Lounges dieser Welt.

Auch wenn sie in weiße Anzüge oder Westernhemden schlüpfen, sich hinter großen Sonnenbrillen verstecken oder sich spaßige Perücken aufsetzen – No Underground mögen zwar Glamour, aber Showmenschen sind sie nicht gerade. Die Musik ist wichtig, da braucht es kein Gehampel auf der Bühne, meint Dr. Phelbs. Das meinen auch die rund 300 Besucher allwöchentlichen Maria-Gigs. „Wir sind gebucht auf Lebenszeit, solange es den Laden gibt“, scherzt Dr. Phlebs. Und das nächste Album ist auch schon in Arbeit. Bei soviel Kontinuität kann ja kaum mehr etwas schiefgehen.

Axel Schock

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