Nostalgisches Comeback: Snail Mail kündigt ihr drittes Album an
Rückkehr mit Nostalgie und geschärfter Perspektive: Snail Mail ist nach fünf Jahren zurück und kündigt ihr drittes Album „Ricochet“ an.
Fünf Jahre sind vergangen seit dem letzten Album „Valentine“ (2021). Jetzt meldet sich Lindsey Jordan alias Snail Mail endlich mit der neuen Single „Dead End“ und der Ankündigung ihres dritten Albums „Ricochet“ zurück, das am 27. März erscheint. Während frühere Platten der amerikanischen Sängerin vor allem vom emotionalen Liebeschaos handelten, wird „Ricochet“ existenzieller: Es geht um Zeit, um Vergänglichkeit, um das leise Unbehagen, wenn man merkt, dass Freundschaften verblassen, Unbeschwertheit verloren geht und Nähe sich langsam in Distanz verwandelt. Themen, die viele in ihren Zwanzigern nur allzu gut kennen. Entstanden ist das Album in einer Phase großer Umbrüche: Die 26-Jährige ist von New York nach North Carolina gezogen. Und das genau in dieser Zeit der wilden, chaotischen Jahre, in denen alles gleichzeitig möglich scheint und doch schon zu verrinnen beginnt.
Party bis die Polizei kommt
Die neue Alternative Rock Single „Dead End“ ist dabei der perfekte Einstieg in ihre neue Ära. Der Song trauert der vermeintlichen Langeweile der Jugend in kleinen Städten nach und erkennt rückblickend, wie schön sie eigentlich war. Gebaut auf Schichten verzerrter Gitarren und einer präzisen Lead-Melodie, bewegt sich der Track in langsamen, sich auftürmenden Wellen. Die Spannung wächst, Gitarren stapeln sich übereinander, bis alles im Refrain aufbricht. Auch das Musikvideo verstärkt dieses Gefühl: gedreht nachts in North Carolina, Lindsey Jordan tanzend im Wald, E-Gitarre in der Hand, Feuer, Explosionen, die Kälte der Nacht ist förmlich spürbar. Über das Video sagt Lindsey: „Wir haben an irgendwelchen Orten in North Carolina gedreht, zwischen 17 Uhr und 4 Uhr morgens. Es war eine der kältesten Nächte meines Lebens. Wir wollte mit dem Feuerwerk eigentlich unauffällig bleiben, aber irgendjemand hat dann doch die Cops gerufen.“ Ein Sinnbild für die Zeit der Jugend.
Die Angst vor der Zeit
Musikalisch knüpft „Ricochet“ an Snail Mails Stärken an und erweitert sie zugleich. Das Album lehnt sich deutlich an die strahlendere Seite des 90er-Jahre-Alternative-Rock an, kanalisiert Elemente von Grunge und Shoegaze, ohne die emotionale Indie-Direktheit zu verlieren, die schon „Lush“ und „Valentine“ so eindringlich gemacht hat. Snail Mail kehrt zurück mit dem beklemmenden Gefühl des Zeitvergehens, mit Nostalgie und mit mit der Erkenntnis, dass genau in ihr auch eine neue Klarheit liegt.