„Nouvelle Vague“ im Kino: Vorbild „Außer Atem“
Eine Liebeserklärung an Jean-Luc Godard: Richard Linklater bringt jetzt seinen Film „Nouvelle Vague“ in die Kinos – ein wunderbares Vergnügen, nicht nur für die Fans von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut oder Claude Chabrol.
Regisseur Richard Linklater („Before Sunset“, „A Killer Romance“) liebt Jean-Luc Godards „Außer Atem“. Das tun viele – der Nouvelle-Vague-Klassiker von 1959 mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg ist nun einmal ein zeitloses Meisterwerk. Aber nur Mega-Fan Linklater geht so weit, einen Film über die Dreharbeiten des Films zu drehen. Sein Film „Nouvelle Vague“ startet jetzt in den Kinos.
Entstanden ist ein wunderbar eskapistisches Kinovergnügen mit einem Godard als Hauptfigur, die der Newcomer Guillaume Marbeck mit einer Mischung aus Starrsinn, Gewitztheit und vor allem der Überzeugung spielt, ein verkanntes Genie zu sein. Mit „Außer Atem“ musste Godard sich seinerzeit beweisen: Schließlich ist er bei Drehbeginn noch kein gefeierter Meisterregisseur, sondern bloß Autor bei den „Cahiers du cinéma“, während seine Kollegen/Freunde/Rivalen Francois Truffaut, Claude Chabrol und Jacques Rivette alle schon Filme ins Kino gebracht haben. Trotzdem geht er keine Kompromisse ein: bricht Drehtage nach einer Stunde ab, wenn ihm die Inspiration fehlt, schmeißt ständig das Drehbuch um und prügelt sich zwischen Bistrotischen auch mal mit seinem Produzenten, den er an den Rand des Nervenzusammenbruchs treibt.
Richard Linklater stellt jetzt mit „Novelle Vague“ das Vorbild „Außer Atem“ auch formal nach: Er dreht in Schwarz-Weiß, im selben schmalen Bildformat – und fügt sogar digital Markierungen ein, als ob dort, wie zu Zelluloidzeiten, die Filmrolle gewechselt werden müsste. Bis auf Zoey Deutch („Juror #2“) als Jean Seberg hat Linklater seinen Nostalgie-Trip mit weitgehend unbekannten Darstellern besetzt; und gerade Guillaume Marbeck ist eine echte Entdeckung. Mag sein, dass sich der 2022 verstorbene Godard eine Hommage wie „Nouvelle Vague“ verbeten hätte. Aber ein schöneres Kompliment ist kaum vorstellbar.