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Oimara: Wenn die Lieblingsmenschen nerven

Oimara
Foto: Severin Schweiger

Mit der Zuneigung ist es manchmal so eine Sache. Denn gerade die Personen, die bei uns eigentlich Hoch im Kurs stehen, sind häufig der Grund fürs Kopfschütteln und Zähneknirschen. Mit seinem neuen Song „Lieblingsdepp“ liefert Oimara nun den wohl passendsten Begriff, um dieses Phänomen zu beschreiben. Denn auch wenn manchmal die Fetzen fliegen und es schwer ist, das Gegenüber auszuhalten, ist man am Ende doch froh, dass es diesen anderen Menschen gibt. Und gerade deshalb verdient dieser Mensch es auch, als „Lieblingsdepp“ klassifiziert zu werden. kulturnews präsentiert das Video zu dem Song.

Musikalisch untermalt Oimara seinen Track in bester Songwriter-Manier mit ein paar zurückgelehnten Gitarrenakkorden und einer dezent eingesetzten Rhythmusgruppe, die dem Song zusätzlich noch ein paar Reggae-Vibes unterschieben. Und natürlich wäre Oimara nicht, wer er ist, würde er den Song nicht in bayerischer Mundart präsentieren. Denn genau dafür steht der Mann vom Tegernsee: internationale Sounds gepaart mit bayerischer Lokalkultur. Wie gut diese Mischung funktioniert, sieht man nicht zuletzt am Beispiel von „Lieblingsdepp“. Denn mit seiner guten-Laune-Atmosphäre qualifiziert sich der Song als Kandidat für den Sommerhit 2021. Lieblingsdeppen für alle!

Der Track ist die neueste Veröffentlichung von Oimaras Album „A Quantum Prost“, das im November erschienen ist. Zuvor sind bereits die Songs „Heid is ma Wurscht“ und „Busheislparty“ erschienen. Wir haben mit dem Singer/Songwriter über sein neues Album und die Bedeutung der Mundart in Bayern gesprochen.

Oimara im Interview

Was war deine Idee für das Video zu „Lieblingsdepp“?

Meine Idee zu Lieblingsdepp war sozusagen das bayrische „was sich liebt, das neckt sich“ und soll ausdrücken, dass jeder von uns einen Menschen hat, den er über alles liebt, über dessen Ecken und Kanten man sich aber auch manchmal ziemlich aufregen kann, gerade weil man die Person liebt und sie einem nicht egal ist.

Der Begriff „Depp“ ist eigentlich ja eher negativ konnotiert. Du benutzt ihn aber vor allem in liebevoller Absicht.

Das Wort „Depp“ alleinstehend ist vielleicht nicht das netteste Wort, wobei es in Bayern doch auch oft freundschaftlich benutzt wird. Gute Freunde verstehen das! Mit der Präposition „Lieblings-„ wird es aber ein bisschen verniedlicht, und soll eben genau wie eben beschrieben aufzeigen, dass man sich meistens nur über die Verhaltensweisen heißgeliebter Menschen in seinem Umfeld aufregt, weil derjenige einem eben wichtig ist, und nicht egal. Sonst könnte man ja auch jeder Konfrontation aus dem Weg gehen und sich die Energie für andere Dinge aufsparen, tut man aber meistens nicht. Wie gesagt, was sich neckt, das liebt sich, oder andersrum.

Dein Album heißt „A Quantum Prost“. Wie sieht sie denn aus, die bayerische Version von James Bond?

Die bayerische Version ist einerseits, wie richtig erkannt, eine Anspielung an James Bond, viel mehr aber noch eine Hommage an unsere Lieblingsstammbar „Quantum“, in der schon einige „Quantum Prosts“ vollzogen wurden. Außerdem ist in dieser ewigen Lockdownzeit ein Quäntchen Prost auch manchmal noch der einzige Trost.

In deiner Musik verbindest du Elemente aus Rock, Rap und sogar Reggae. Ist der Tegernsee der musikalische Meltingpot Deutschlands? 
Ich würde sagen, der Tegernsee ist musikalisch doch eher traditionell orientiert. Meine musikalischen Einflüsse rühren nicht von einer Tegernseer Musikszene her, sondern eher aus meinem persönlichen Geschmack. Früher hab ich viel Blues, Rock, auch mal Metal oder alternatives Zeug gehört. Reggae eigentlich eher weniger, aber der Rhythmus kommt einfach so aus mir raus.

Überrascht es dich eigentlich, dass du mit deiner bayerischen Mundart auch im Norden der Republik Erfolge feierst?
Ja, das überrascht mich tatsächlich, freut mich aber umso mehr und zeigt wiederum, dass der bayerische Dialekt oder Lifestyle doch sehr beliebt ist in Deutschland. Manchmal bin ich schon verwundert, dass SWR 3 meine Songs spielt, die großen bayerischen Radiosender, die sogar namentlich das Wort „Bayern“ beinhalten, aber doch eher den norddeutschen und sehr kommerziellen Weg gehen. Das sehe ich manchmal ein bisschen kritisch, denn meiner Meinung nach müsste das Genre Mundart viel mehr nach vorn gebracht und unterstützt werden, und zwar am besten dort, wo es auch herkommt.

Vielleicht ist es auch der Fluch der „Propheten im eigenen Lande“, aber einerseits wird oft beklagt, dass der bayerische Dialekt und die Kultur langsam aussterben würden, andererseits wird oft wenig dafür getan, dass sie es eben nicht tun. Und Musik ist Kultur. Bayern ist ein riesiges Bundesland, wir haben 4 Millionen Einwohner, mehr als zum Beispiel Österreich, und die schreiben Austropop ganz groß. Die Plattformen hätten wir auch. Sie müssten nur anders genutzt werden.

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