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Owen Matthews: Moskau Babylon

Als der Brite Roman Lambert faktisch pleite ist, nimmt er das Angebot an, für ein PR-Start-up-Unternehmen in Moskau zu arbeiten. Es ist Mitte der 1990er, die Oligarchen reißen an sich, was sie nur kriegen können, und in Russlands Hauptstadt tanzt man auf dem Vulkan. Drogenexzesse, Orgien auf der Datscha mit einer ganzen Busladung Nutten und Parties ohne Ende bestimmen fortan das Leben des Helden von „Moskau Babylon“, der meint davonkommen zu können, ohne sich die Hände schmutzig zu machen, während modernes Raubrittertum den Umbau der Gesellschaft vom Staats- zum Privateigentum voranbringt. Am Ende aber wird Lambert zum Mörder. Owen Matthews ging wie sein Romanheld 1995 nach Moskau und wurde Zeitungskorrespondent. Wie er im Nachwort schreibt, sind die meisten der manchmal satirisch anmutenden skurrilen Abenteuer wirklich erlebt, aber komplett verschlüsselt. Der Leser aber weiß nicht, was er schlimmer finden soll: die aus dem kapitalistischen Ausland wie Heuschrecken über Moskau herfallenden Conquistadores oder die Brutalität der russischen Neureichen. Nur eines ist sicher: Die Transformation einer Gesellschaft nach westlichem Wertesystem ist ein so lustiges wie tödliches Geschäft.

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