MUSIK

Liebeskummer lohnt sich

Passenger
Foto: Zakary Walters

Ob Passenger und seine inzwischen Exfreundin noch eine Weile gewartet hätten mit ihrer Trennung zu Beginn des Jahres, wenn sie gewusst hätten, dass alsbald schon eine mächtige Welle der erzwungenen Einsamkeit über den Erdball schwappen würde? Der Singer/Songwriter, der aktuell einen durchaus beachtlichen Coronavollbart im Gesicht stehen hat, räuspert sich im Arbeitszimmer seines Hauses in Brighton am anderen Ende der Videoleitung und wird für einen kurzen Moment still. „Das ist schwer zu beantworten“, sagt er schließlich. „Du musst deine Entscheidungen ja immer in dem Augenblick deines Lebens treffen, in dem sie anstehen. Rückblickend kann jeder ein Besserwisser sein. Aber damals hatten wir keine Kristallkugel, und zu der Zeit war es zwar keine einfache Entscheidung für uns – aber die richtige.“

Passenger: „Ich bin nicht wie Ed Sheeran“

Vier Jahre lang waren Passenger, der als Mike Rosenberg vor 36 Jahren in Brighton zur Welt kam, und seine Freundin ein Paar. „Für mich ist das eine lange Zeit“, sagt er. Rosenberg behielt das Sorgerecht für die beiden Katzen, hin und wieder telefoniere man noch. Und – was soll er sagen – für seine künstlerische Kreativität und das nun auch schon 13. Studioalbum „Songs for the Drunk and Broken-Hearted“ war das Ende dieser Liebe ein wirkungsvoller Katalysator. „Wenn du so an die Wärme und den Zuspruch einer Person gewöhnt bist, und plötzlich driftest du wieder allein durch diese Welt, dann macht dich das verletzlich. Alle deine Nerven sind sozusagen in ständiger Alarmbereitschaft, und du kommst deinem emotionalen Kern, der zum Songschreiben so wichtig ist, sehr nah. Erst recht, wenn dann auch noch die Trennung und der Corona-Lockdown für einen Doppelschlag der Einsamkeit sorgen.“ Passenger war schon immer dann am stärksten, wenn er traurig ist. Schließlich entsprang schon sein Welthit „Let her go“ einem Liebeskummer. „Ich bin nicht wie mein Freund Ed Sheeran, der mit Frau und Kind glücklich ist und trotzdem weiter in Melancholie baden wird. Ich muss einfach fühlen, was ich singe.“

„Ich war ganz schön ausgebrannt“

Gerade auch dann, wenn es weh tut: „Sword from the Stone“, die erste Single und Mikes Lieblingslied der neuen Platte, beschreibt diesen Jo-Jo-Effekt der Emotionen zwischen Verletzlichkeit, Lakonie, Langeweile-Besäufnissen und Durchstartstimmung sehr detailliert. In „Sandstorm“ dagegen schiebt sich Passenger selbst die Hauptverantwortung für die kaputtgegangene Liebe zu. „Wenn ich nach einer langen Tournee wieder nach Hause gekommen bin, war ich der Sturm, der alles, inklusive meiner Partnerin, umhergewirbelt hat. Ich habe immer länger gebraucht, um mich wieder zu domestizieren.“ Und so haben ihm Pandemie und Trennung quasi ein- und dieselbe Lektion auf dem silbernen Tablett geliefert: „Ich war ganz schön ausgebrannt. Die Ruhe hat mir wirklich auf die Beine geholfen. In Zukunft muss ich Leben und Arbeit besser in die Balance bringen.“

Songs for the Drunk and Broken-Hearted erscheint am 8. Januar.

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